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Les sureaux sont des plantes herbacées voir des petits arbustes de quatre mètres de hauteur à fleurs blanches.

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Braucol 2004 – was ist großes Kino?

Eingereicht on 16. November 2015 – 22:27

Vergessen Sie die Berichte über die genossenen und verflossenen Weine der letzten Proben. Hier kann ich mal erklären, was man meint wenn von großem Kino beim Wein trinken gesprochen wird.
Sie freuen sich auf gute Unterhaltung für die nächsten 90 bis 180 Minuten. Es soll neu sein, aufregend, spannend, unerwartet und einem das Herz öffnen. Da kann man entweder den Weg ins Kino auf sich nehmen, oder zum Weinregal gehen und diese Flasche – wenn man sie denn noch hat – herausholen : Domaine Plageoles Braucol 2004.
Was jetzt passiert sollte auch im Kino mit jeder Szene nach jedem Schnitt passieren. Überraschung und Begeisterung. Sie werden hin und her geworfen zwischen Versinken und Beobachten und egal wo Sie sich gerade befinden, es ist pures Vergnügen. Auch bei diesem Wein werden Sie zuerst einmal auf falsche Fährten geführt. Die ersten Minuten ist er sperrig und verunsichernd. Wo geht es hin? Was kommt da noch? Ist er gut oder böse?
Und er spielt auf alte Themen an wie jeder gute Film von guten Regisseuren, die andere Filmzitate in die Filme einbauen. Hier ist es nicht der Regisseur, der selber in einer kleinen Szene auftaucht, oder ein running Gag, der sich durch alle Werke durchzieht. Hier ist es wieder die Anspielung auf andere große Weine, und wieder einmal sind es zuerst die Barolos mit ihrem Leder. Mir kommt es auch komisch vor, weil das in den letzten Beschreibungen gehäuft vorkommt. So ist es aber nun mal und zum Glück entwickelt sich der Wein auch da wie ein guter Film. Die Befürchtung, das es in altbekanntes abgleitet und Langeweile programmiert ist, wird elegant umschifft und es eröffnen sich doch andere Seiten. Das wird am besten durch einen Schock oder zumindest durch eine Überraschung eingeleitet. Hier ist es das Entree. Der Wein kommt rein wie ein Wattebäusch’chen. Samtweich und an der Grenze zum fett-öligen. Hier bleibt es aber ohne Schwere. Man hat eine irgendwie geartete Materie im Mund die ihn wie ein Wattebausch ausfüllt. Rund und elegant. Warm.
Das würde dann schon für schlechte Filme reichen. Da gibt es dann diesen einen Blick, diese eine Einstellung, die manisch wiederholt wird und das Künstlerische ausdrücken soll. Das alleine reicht aber weder für einen guten Film, noch für einen guten Wein. So werden die nächsten 60 Minuten eher zur Wartezeit auf das was nach dem Ende kommt. Die gute Story nimmt dann normalerweise Tempo auf und lässt einen bis zum Ende nicht mehr zur Ruhe kommen. Der Wein schafft das ohne Probleme indem er sich im Glas, in der Nase und im Mund ständig verändert und man ihn nicht zu fassen kriegt. Er dreht einem eine Nase, wenn man denkt man hätte ihn jetzt verstanden und das wärs.
Pustekuchen. Leder wird zu Lebkuchen zu Himbeere mit großblättriger Petersilie zu Cassis. Und so weiter. Aber auch kleine Schockmomente werden nicht ausgelassen. Da kommt dann doch für eine halbe Minute ein kleiner Dunst von Möbelpolitur auf. Sofort nochmal die Kontrolle im Licht. Wie braun ist er denn schon? Nö – alles im grünen Bereich. Und dann ist der Eindruck auch schon wieder weg und man ist erleichtert und surft auf einer großen Welle elegant in einen Sonnenuntergang. Das sind Momente, wo einem raus rutscht, dass das der beste Wein der letzten Jahre ist. Kleine Tränen sammeln sich im Augwinkel. Zweifel an einer Betriebsblindheit finden keinen Platz – so groß ist die Überzeugung die mit jedem neuen Schluck bestätigt wird. Nach 2 ½ Stunden ist der Film oder die Flasche zu ende oder leer und man lehnt sich zufrieden zurück. Zum Glück kam der Eindruck am Schluss, der Wein fiel jetzt ein wenig auseinander erst im Abspann.
Mein Rat also : wer den noch zu Hause hat, kann ihn jetzt für das besondere Erlebnis nutzen. Sicherheitshalber aber etwas anderes nettes nach 2 Stunden machen wenn der Wein einen in eine gute Stimmung gebracht hat.
Das ist es also, was mit großem Kino gemeint ist. Ein Wein der es schafft, einen in einem gewissen Zeitraum durch immer neue Wendungen und Überraschungen zu bannen und gut zu unterhalten und wo man sicher ist, dass einem das im Gedächtnis für lange Zeit hängen bleiben wird. Der Braucol 2004 bekommt von uns jedenfalls einen Stern auf dem Sunset Boulevard der Weine.
Braucol2004

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