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5/5 Crashkurs Preise und Vin naturel

Eingereicht on 24. April 2012 – 19:20

Im abschließenden Bericht gehe ich noch einmal auf unsere Winzer aus dem Gaillac ein die auf dem Salon vertreten waren und auf das allgemeine Preisgefüge. Auch soll noch einmal in den Blick rücken, was wir uns aufgrund der getrunkenen Weine und der gehörten Worte merken sollten um in Gesprächen über Vin naturel und auch Biowein mitreden zu können.
Also zuerst zu unseren Winzern.
Auf dem Salon waren vier vertreten : Domaine de la Ramaye (Michel Issaly), Causse Marines (Patrice Lescarret), Domaine Plageoles (Bernard Plageoles) und La Ferme du Vert (Gerôme Galaup). Alle vier sind Mitglieder der Assoziation „terres de gaillac“, die quasi die Spitze des gaillac’schen Eisbergs ausmacht. Daneben erfüllen sie überregional innerhalb des französischen Weinanbaus noch weitere Funktionen. Patrice, der vor kurzem die Präsidentschaft der Winzervereinigung für den Süd-Westen übernommen hat, Michel Issaly der seit vier Jahren Präsident der unabhängigen Winzer ganz Frankreichs ist und Bernard Plageoles der mit seinem Vater Robert, der absolute und anerkannte Vorreiter der Rekultivierung alter Rebsorten in Frankreich ist.
Sie konnten auf dem Salon eindrücklich zeigen, dass generelle Aussagen über „das typische Gaillac“ nicht gemacht werden können. Ihre Weine sind dermaßen unterschiedlich, dass Vergleiche untereinander sinnlos scheinen. Allerdings rücken sie damit den Begriff Vin naturel noch einmal in den Mittelpunkt und in ein klareres Licht. Dazu später mehr.
Ihre präsentierten Weine glänzten besonders auf, wenn man die Domainen seit einiger Zeit gut kennt und einen Überblick über die letzten Jahre hat. Es ist nicht unbedingt der Geschmack der einen an Bekanntes erinnern lässt, sondern doch eher die Machart oder vielleicht das Typische der Reben von der Parzelle und dem Winzer. Klarheit, Struktur, Dichte, Auflösung, Nachklang vereinen sich zu einem Gesamteindruck. Und wenn man sie schon nicht miteinander vergleichen kann, dann schon gar nicht mit den Weinen von Winzern aus anderen Gebieten mit nochmal anderen Reben und….
Sicherlich legen sie die allgemeine Maßlatte recht hoch, aber an diesem Wochenende konnte man bis auf wenige Ausnahmen nur solche regionseigenen Kracher genießen.
Die neuen 2011er (Braucol, Syrah, Mauzac noir) von Bernard und der frisch abgefüllte 2010 Duras lassen Herzen, schon in diesem noch spürbaren jungen Stadium, höher schlagen und gespannt den September erwarten, wenn der 2010er Prunelart abgefüllt wird.
2011 scheint bei einigen Winzern ein guter Jahrgang geworden zu sein. Auch der vorletzte Woche abgefüllte „Les Greilles“ von Causse Marines war jetzt schon eine Wucht. Herrliche Spitzen mit dunklen tiefen Tönen und einem wie gewohnt berauschendem Abgang. Hier zum ersten Mal getrunken und für irre gut befunden. Ein Muss für die Tagesaktionen und die Probe Ende Mai in Köln.
Das andere „Muss“ kann es leider schon nicht mehr nach Köln schaffen. Der neue Spitzenrote von Michel Issally – der Braucol – ist nur noch auf dem Hof in Einzelflaschen vorhanden. Ein Faßroter von kubikmeterhafter Fülle und zum Verlieben. Da müssen wir bei seinem zweiten Jahrgang schneller sein. Aber das ist ja auch manchmal schwer bei wenigen Hundert Flaschen Jahresproduktion.
Sein Erfolg scheint auch von seinem Preis nicht gedämpft worden zu sein.
Wir wissen ja, dass die Sache mit dem Preis immer wieder diskutiert werden muss und vorwitzig scheinende Aussagen wie die von Michel über seinen La Combe d’Aves („als Appelation Bourgogne mit dem Inhalt würde das 80 Euro kosten“) zeigen in die Richtung in die man denken müsste. Der ist als 2007er gerade erschienen und entwickelt nach 2einhalb Stunden seine schönsten Seiten. Helle Farbe, aber schwarz-violett. In der Nase Lebkuchen in Lederetui
und blau-schwarze Beeren mit Pfefferguss. Viel fruchtiger und leichter als seine Vorgänger aber in seiner Frische ziseliert strukturiert.
Auf dem Salon war es einerseits zuerst schon verwunderlich, das der preiswerteste Wein bei 8 Euro anfing und es dann aber sehr schnell an die 18, ja gar 26 Euro und weit mehr ging. Und der größere Anteil aller Weine lag halt ab 16 Euro aufwärts. Da waren Weine von Plageoles geradezu Schnäppchen.
Andererseits zeigte die Spannbreite aber auch, das diese Relationen zumindest in der Gesamtpräsentation absolut gerechtfertigt schienen. Und nach den Erfahrungen muss man wieder Zweifel an den immer noch kursierenden Gerüchten, dass man für 4-6 Euro einen richtig guten Wein bekommen könnte, anmelden. Schon gar nicht von einem Wein zu reden, der so richtig Spaß macht. Da braucht man selbst hier auf dem Salon erst ab 16 Euro anfangen zu suchen. Extreme Ausnahme weiterhin – oder sollte man eher wegen der letztjährigen Preissteigerungen sagen „noch“ – Plageoles. Da steht unser Urteil fest. Er bekommt diesmal das Siegel „Da bekommt man was fürs Geld“.
Warum sind nun die Gaillacwinzer ein prägnantes Beispiel für einige spezifische Eigenheiten von Vin naturel.
Sie zeigen mit den gleichen Reben auf unterschiedlichem Grund und durch die verschiedenen Jahresverläufe, dass es nicht darum geht einen handelbaren Blend Wine hinzukriegen. Heißt : nicht jedes Jahr exakt derselbe Geschmack an den man sich einmal gewöhnt hat. Jedes Jahr neu zu entdecken bringt einem die Umstände die zu dem Produkt führen, quasi körpernah bei. Wer also einmal Gefallen an einem dieser Weine gefunden hat, fängt irgendwann mit an zu fiebern und während des Jahres, mit den wechselnden Wetterbedingungen, Spekulationen an zu stellen, die schon fast in Dickens’sche große Erwartungen führen können. Die Weine erhalten damit eine Geschichte. Und Geschichten sind das was am Ende übrig bleibt.
Die Geschichte die wir uns hier merken sollten, um in Diskussionen über Vin naturel richtig mitreden zu können, sind folgende :
Vin naturel kann, muss aber nicht moussieren;
Moussieren ist kein Prüfzeichen oder Echtheitszertifikat dafür;
Vin naturel können echt teuer sein und sind es oft auch wert;
Vin naturel ist nicht automatisch BIO, kommt dem ursprünglichen (vor EU-Zeiten) Begriff aber recht nahe und kann sogar eine konsequentere Weiterführung sein;
Es sind nicht nur Freaks die solche Weine machen;
Fundamentale Grundlage und allererstes Indiz ist die Arbeit mit indigener Hefe – also der auf den Trauben natürlich gebildeten Hefen;
Suboptimales angestrebtes Endziel ist die völlig chemiefreie Arbeit – sowohl auf dem Feld als auch im Weinkeller – also Traube~Verarbeitung~Wein;
Vin naturel ist keine neue Erfindung und somit keine Weiterentwicklung der Winzertechnik, sondern ein traditionelles Rückerinnern an Zustände vor dem letzten Jahrhundert. Erst dann wurden Hefen zusätzlich eingesetzt. Also wurde vorher über Jahrtausende nur Vin naturel hergestellt;
und letztendlich
nur EU-Bio kontrollierter Wein, also ohne zusätzlich von einem der seriösen Anbauverbände kontrolliert worden zu sein, ist heutzutage kein Garant mehr für gesund, besser oder ökologisch. (Die Diskussion darüber würde jetzt hier zu weit führen, aber wer da genaueres wissen möchte, kann mich gerne anmailen und den Sachverhalt genauer diskutieren.)
In Bezug auf diese Punkte brauchen Sie sich jetzt nicht mehr ins Bockshorn jagen lassen, sondern können vehement dafür eintreten und auf die jederzeit kontrollierbare Arbeit von seriösen Winzern verweisen und deren Weine als Beispiel anführen.
Bleibt letztendlich noch zu klären, wie man denn nun einen wirklich so arbeitenden Winzer erkennen kann und nicht auf gut geschulte Vertriebsleiter oder Schlitzohren hereinfällt.
Auch da gibt es meiner Ansicht nach ein eindeutiges Indiz. Jeder von uns kennt doch den Zustand in dem man sich befindet, wenn man mit Herz und Seele bei einer Sache ist und die Überzeugung die einen da treibt im tiefsten Inneren sitzt. Nun – das ist der Punkt auf den geachtet werden muss. Sprechen Sie mit dem Winzer und lassen sie ihn über seine Arbeit und wie er dazu gekommen ist und warum er es macht erzählen.
Beim Vertriebsleiter werden Sie schnell merken, was ihn antreibt : Verkaufen und sein selbstverliebtes und gut geschultes Sprüche klopfen. Seine Aussagen sind Werbesprüche und hochglanzgebügelte Argumentationsreihen. Beim schlitzohrigen Winzer merken Sie recht schnell, ob er da auf einen Zug aufgesprungen ist – aber ohne Überzeugung ist – und nur mit reiten will, oder ob das ein Teil seines Lebens ist. Schlitzohren können einem vielleicht die Illusion geben ein richtiger Kumpel zu sein und die entstehende Sympathie soll über den fehlenden Ernst hinwegtäuschen. Vorsicht also! Nur ein sympathischer Kerl ist kein Garant für gar nichts.
Der Ernst der Sache ist aber bei den so arbeitenden Winzer ganz klar. Das lässt sich auch gut beobachten, wenn sie in Diskussionen hitzig werden falls man versucht ihre Sache ins nebulös Esoterische zu ziehen, oder gar als völlig unmachbaren Schwachsinn zu beurteilen.
Beim Wein selber gibt es manchmal auch Anzeichen ob es ein Vin naturell ist oder nicht. Zum Einen gibt es häufig große Unterschiede zwischen den zu riechenden Aromen von ruhendem und bewegtem Wein, zum Anderen können nach dem öffnen starke Stallgerüche auftreten die manchmal an Reduktionsgerüche oder animalische Noten erinnern. Sie können dann gut beobachten, wie der Wein seine Struktur und Aromatik innerhalb von einer bis acht Stunden entwickelt. Selbst zwei bis drei Tage später kann bei guten Stücken noch ein Zugewinn bemerkt werden.
Ich hoffe damit einige Anstöße gegeben zu haben sich mit dem Thema näher auseinander zu setzen. Ich kann nur garantieren, das die enthusiastische und ernsthafte Beschäftigung damit große Vergnügen bereiten kann. Und damit wende ich mich wieder meinem gestern geöffneten Combe d’Aves von 2007 zu und bin schon gespannt wohin er sich entwickelt hat. Ich danke Ihnen für die Ausdauer und Geduld beim Lesen und wünsche Ihnen auch ein ähnliches Vergnügen.

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