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guter Wein

Eingereicht on 25. Oktober 2015 – 12:32

„Mann – der Wein ist gut !“

Wer hat das nicht schon oft gehört und selbst gesagt? Aber was bedeutet das denn nun wirklich ? Meist eigentlich nur ein legitimes aber völlig anders gelagertes „Mir schmeckt der Wein“. Man muss hier gut unterscheiden. Das eine ist eine Aussage die andeutet, es würde etwas über den Wein aussagen, die andere rückt das eigentlich gemeinte in ein anderes Licht – es sagt etwas über mich und meinen Geschmack aus. Solche Überstrahleffekte werden in der Werbung oft genutzt. Wir müssen uns aber entscheiden, ob wir etwas über den Wein aussagen wollen, oder über meine Vorlieben.

Die Schwierigkeit, etwas „objektives“ und maßgebendes über Wein auszusagen, macht leicht verständlich, warum wir gerne auf eine private Ansichtsweise ausweichen. Das ist unverbindlicher und jeder hat ja die Freiheit, eine eigene Meinung zu haben. Doch warum ist es so schwierig, etwas über den Wein auszusagen. Ihn in Kategorien wie gut und schlecht einzuordnen und das auch nachvollziehbar zu erklären.

Hier befinden wir uns eigentlich schon in hoch-philosophischem Terrain. Vielleicht ist in dem Problem sogar der Ausgangspunkt zu jeglicher philosophischen Überlegung zu finden. Wie können wir über etwas, das nicht wir sind eine gesicherte Aussage machen? Treibt man das sogar noch weiter, könnte man auch fragen, wie sicher wir über den Wahrheitsgehalt sein können, wenn wir etwas über uns selbst sagen. Aber lassen wir die Philosophie einmal beiseite.

Wir wollen also ein Maß finden, um einen Wein den wir gerade trinken in einer wie auch immer gearteten Skala von „gut-schlecht“ einzuordnen. Gibt es da ein technisches Gerät wie einen PH-Messer oder ein Thermometer, das man nur ablesen müsste und das einem einen eindeutigen Wert angibt? Gibt es einen anerkannten, verbindlichen und nachvollziehbaren Kriterienkatalog? Parker? Johnson? Robinson? Clarke? Oder einer der Hochglanzweinführer? Oder die Spitzensommeliere?

Natürlich gibt es diese Punktebewertungen und fachlichen Einschätzungen. Das Problem damit ist einfach. Sie widersprechen sich manchmal, oder man kann beim eigenen Probieren überhaupt nicht verstehen, was diese Leute da geschmeckt haben oder wie sie das gut finden können. Dürfen wir Laien da nur andächtig den Mund halten? (Bitte auf den „kurz&bündig“-Artikel über Weinexperten warten) Hier nur zusammengefasst : Ja und Nein! Oft ist das Problem die Unfähigkeit zu erklären, was man da gerade schmeckt und wie man es zuordnet. Eindeutig gibt es bestimmte Fehlnoten im Wein die durch verschiedene Gründe entstanden sind und die nichts in einem „guten Wein“ zu suchen haben. Das ist ein erster Hinweis darauf, dass “gut” in jedem Fall mit Fehlerfreiheit zu tun hat. Allerdings kann ich mich an einige Beispiele erinnern, wo gerade der Fehler einen interessanten Effekt ausmacht und das ganze zu etwas außergewöhnlichem macht. Außerdem gibt es Grenzfälle. Oxidative Noten z.B. sind bei einigen Weinen das A&O. Also gibt es neben den klaren Fehlern auch bestimmte Umstände und Kombinationen die bestimmen, ob das jetzt gut oder schlecht ist. Wir merken schon – eine komplexe Sache!

Ebenso schwierig und das in mehreren Hinsichten ist das mit den Aromen. Wer da kein breites Erfahrungsspektrum an Geschmäckern von Obst, Kräutern, Gewürzen, Blättern, Wurzeln, Harzen, chemischen Substanzen oder gar Steinen und anderem hat kann manchmal schier verzweifeln. Aber hat das zuordnen von Aromen und deren Anwesenheit und jeweilige Ausprägung und Intensität im Wein überhaupt irgend etwas mit seinem “gut” sein zu tun. Es ist in vielen Punkten anzuzweifeln weil man beim genaueren Betrachten in Teufels Küche kommt. Zuerst einmal ist es ja zuerst einmal zu hinterfragen, ob eine Zuordnung von Aromen zu einem bestimmten Wein oder gar einer Rebsorte zulässig oder zuverlässig ist. Ich bezweifle das. Zu unterschiedlich sind die Aromen schon innerhalb eines begrenzten kleinen Gebietes von einer einzigen Rebsorte. Gehen wir über regionale Grenzen hinaus oder werden gar international, gibt man da schnell auf. Und in allen Blindtests zeigt sich, wie man die größten Experten in Verzweiflung stürzen kann, wenn man ihnen Unbekanntes vorsetzt. Wer sich aufmerksam die Doku Wein wissenschaftlich betrachtet angesehen hat weiß wie solche Aromen zustande kommen. Es hat eigentlich weniger mit der Rebsorte selber zu tun und jeder, der passioniert Wein beobachtet weiß, dass sich die Aromen während der Alterung ändern. Aromen sind nur Versuche den Saft den wir da trinken in Begrifflichkeiten zu fassen um ihn beschreibbar zu machen und von anderen differenzieren zu können. Für die Differenzierung ist es natürlich genial, wenn man ein unendliches Spektrum an Aromen zur Verfügung hat. Ob das dann nachvollziehbar ist bleibt die Frage. Oft wird da ja sehr grob generalisiert. Wenn irgend jemand von Apfelaromen spricht – ist das dann eindeutig ? Welcher Apfel ? In welchem Reifestadium ? Ist nicht eher die mir unbekannte exotische Frucht oder ein bestimmtes Kraut die viel genauere Annäherung an das was ich da schmecke und verwirre ich mein Gegenüber nicht mit einer ungefähren Beschreibung? Selbst die grobe Einordnung von Rebsorten in ein bestimmtes Spektrum einer Aromengruppe z.B. Agrumes – also alles in Richtung citrusartige Früchte ist bei ca. 12 – 15000 Rebsorten nur bedingt hilfreich, weil ich da schnell in immer gleichen Beschreibungen ende. Diese Versuche Wein zu beschreiben und eventuell auch zu begutachten hatten vielleicht Sinn, solange wir in einer begrenzten Weinwelt gelebt hatten. Heute mit der Ausweitung auf eine globalisierte Weinproduktion von gängigen Hauptsorten, der zunehmenden Zahl der rekultivierten Rebsorten und auch noch der wachsenden Anzahl an Winzern, die Vin naturel herstellen, ist das Thema Aroma zunehmend ungeeignet einen Wein unter dem Aspekt “gut” oder “schlecht” (hier im Sinne von sortenfremden Aromen als quasi Fehlnote – siehe AOC, AGP) zu betrachten.

Ein anderes Dilemma hierbei ist ja auch noch der Punkt Cuvée. Habe ich einen sortenreinen Wein, könnte man ja meinen, es wäre relativ einfach in auf einige Aromen zu fixieren. Nicht nur das das weit gefehlt ist, es wird ja noch schwieriger, sobald ich 2, 3, 8, 15 .. Rebsorten in einem Cuvée zusammenbringe. Sind dann Differenzierungen noch möglich, oder entsteht etwas völlig neues?

Um noch einmal auf das Missverständnis mit “ist gut” und “ schmeckt mir gut” zurück zu kommen. Ein Wein der Aromen hat die ich Liebe ist nicht automatisch gut sowie umgekehrt.

In einer quantitativ fixierten Gesellschaft kommt man dann schnell auf die Idee, die Anzahl oder Intensität der Aromen als Maßstab zu nehmen. Etwa – je mehr eindeutig nebeneinander stehende Aromen zu finden sind, desto besser. Oder, je reiner und intensiver sich ein Aroma präsentiert, desto besser. Wir merken das sich anbahnende Dilemma. Um dem aus dem Weg zu gehen, werden dann oft Harmonie und Abstimmung angeführt. Bringt uns das weiter oder geben uns diese Hinsichten einen Maßstab?
Sobald man an Harmonie denkt, denkt man auch an Musik. Bei einer fast 12000-jährigen Musikgeschichte enden wir hier auch schnell wieder in einer völligen Überfüllung. Es würde wahrscheinlich selbst die Musikgeschichte des letzten Jahrhunderts ausreichen einem schnell klar zu machen, das es so etwas wie eine Generalharmonie nicht gibt. Oder zumindest wird es schwierig daraus einen verbindlich-nachvollziehbaren Maßstab für die Einstufung von Wein zu entwickeln.

Was aber könnte helfen mit geringen Mitteln und dem eigenen Geschmack einem Urteil näher zu kommen? Wir wollen ja auf keinen Fall in einem beliebigen “schmeckt-schmeckt nicht” enden. Dazu muss man auch noch das Feld abstecken, ob man in das Urteil “gut” oder “schlecht” auch den Aspekt “belastet” oder “unbelastet” einfließen lässt. Hier gibt es in meinem Fall ein klares JA. Alle konventionellen Weine fallen per se schon aus jeglicher guten Bewertung heraus. Wenn ich an dem Punkt ankomme, etwas gut zu finden, das ohne Notwendigkeit ein Anschlag auf meine eigene Gesundheit ist, dann würde ich mich selber schräg ansehen und fragen, was mit mir los ist. Aber zum Glück gibt es ja immer noch genug Weine, die auch ohne Probleme jeglichen konventionell angebauten Wein in die Tasche stecken können. Schnell lassen sich Weine eigentlich nur beurteilen, wenn sie eindeutige Fehler haben. Auch unter dem Aspekt könnte man alle belasteten konventionellen Weine sehen. Was haben die Sachen im Gesöff zu suchen ? Dabei muss trotzdem Vorsicht walten. Wann fange ich an, einen Wein zu beurteilen? Nach dem Öffnen oder nach 12 Stunden in der Karaffe? Nach genügend Zeit können bestimmte Fehler verschwunden bzw. nicht mehr auffällig sein.

Grundvoraussetzungen sind Zeit, Muße und ein offener Sinn. Lassen wir den Wein doch selber erzählen. Wie macht er sich? Wie entwickelt er sich? Wie verändert er sich bei verschiedenen Temperaturen. Wie gut schafft es der Wein, Erfahrungen nachvollziehbar mit meinen Mitprobanden zu provozieren? Versuchen Sie es einmal. Es wird erstaunlich sein, was sich im Gespräch immer weiter auseinander differenziert. Greifen Sie jede kleine Sensation (nicht im Sinne von “Wowh” sondern vom Festellen eines eigenständig Anderen) auf und beobachten Sie, wie sich das einbindet, entwickelt, präzisiert oder wandelt. Kleben sie nicht an einer perfekten Eindeutigkeit von Aromatik – die ändert sich im Verlauf des Abends zwangsläufig sowieso. Wer solch einen Abend mit Freunden und einem oder zwei Weinen im Kontrast erlebt, wird irgendwann Weine haben, die eine Geschichte erzählen – oder eben auch nicht. Die Art der Geschichte, der Umfang, die Spannung, die Überraschung wird am Ende entscheiden sein für eine Beurteilung.

So – jetzt ist aus dem kurz&bündig doch etwas mehr geworden und am Ende lasse ich Sie doch im Regen stehen. Es gibt einfach kein zuverlässiges Messinstrument und keinen unanfechtbaren Weinguru. Es sollte aber auch nicht in Beliebigkeit enden. Es gibt so etwas wie guten Wein, doch die Beurteilung ist nur durch Austausch und Erlebniss zu erreichen und nach zu vollziehen. Dadurch erfährt man nicht nur etwas über den Wein, sondern mindestens ebensoviel über sich selbst. Und vielleicht gründet der Spruch „in vino veritas“ auch eher daher als es uns die allgemeine Erklärung glauben machen will.
Letztendlich bleibt noch die Frage, ob “gut” etwas mit “Qualität” zu tun hat, was vielleicht mit etwas weniger Emotionen belegt ist. Aber das wäre vielleicht ein anderes Thema.

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