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13. Februar 2019 – 7:55

Terre Exotique wurde von dem Franzosen Erwann de Kerros aus Rochecarbon am Ufern der Loire gegründet.

Terre Exotique bietet ein großes Sortiment an originellen und gastronomisch kreativen Gewürzen von hoher Qualität. Die hocharomatischen Kompositionen werden noch von Hand geröstet, gemahlen, gemischt und verpackt.
Dieser Koffer « Reise in die Welt der Pfeffer » beinhaltet …

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Mehr oder weniger zufällige Stippvisiten mit lecker Wein. Aber ohne 3 Etoiles.

Eingereicht on 27. August 2012 – 19:39

Seit Längerem lag mir ein Engländer in den Ohren, der manchmal gerne auch seine Weinkennerschaft an den Mann bringen möchte, ob ich nicht auch diese oder jene Domaine kennen und davon Wein nach Köln bringen würde. Als nun eine Domaine sich wegen seiner eifrigen Bemühungen an mich wandte, ob ich die Weine nicht einmal kosten wollte – man hätte ihnen von gaillac-et-voisins erzählt – haben wir eine gemeinsame Probe auf der Domaine Pialentou auf der süd-östlichen Seite des Tarn geplant. Mein englischer Freund brächte noch einen Schlemmer-Experten mit und ich würde zwei fremde, blind zu verkostende andere Gaillacs mitbringen. Ein solcher direkter Vergleich auf der Domaine selber ist eher selten, aber die Winzerin hat sich mutig darauf eingelassen und so fanden wir uns gegen Mittag ein.
Der Weiße von ihnen ist eigentlich eine Bank. Er stach auf dem letzten Salon der Biowinzer auf seinem Tisch heraus und macht einen guten Eindruck. Um die Sache nicht zu lang werden zu lassen, standen deshalb nur die drei Roten zur Debatte.
Keiner von uns konnte den Ersten wirklich genießen. Viel zu hefig, alkoholisch und auch noch mit anhaltender Säure belastet. Zugegeben war es ein schwieriges Jahr und 14 Alkoholprozente sind bei einfachen Sorten dann manchmal zuviel. Es wurden keine Worte verloren und schnell ging es zur Mittelstufe. Die erste Sensation war perfekt. Der kam nach dem Ersten um Längen besser und ließ uns alle lächeln. Eine wahre Erholung. Harmonisch, gute Struktur, Tannine mit Frucht abgebunden. Ehrlich gesagt war das eine Überraschung. Als Vergleich hatte ich den Rencontre von Bois Moisset vorgesehen. Er liegt im Preis einiges darunter, sollte dem Charakter aber nahe kommen. Leider wurde der positive Eindruck schnell entzaubert. Der Rencontre wirkte runder und tiefer. Ganz deutlich der längere Abgang und die Nachhaltigkeit. Das würde in einer Weinprobe deutlich auffallen und ist eigentlich nicht nebeneinander, als gleichberechtigt zu zeigen.
Der Eichenfasswein sollte da vielleicht wieder Boden gut machen, weil ich dort „nur“ den Haut Cordurier von der Domaine de Brousse als Vergleich vorgesehen hatte. Der, nicht im Fass aber in diesem Jahr mit einer der überzeugendsten Goldmedaillen der letzten Jahre versehen, sollte hier einmal zeigen was er kann und ob er dem deutlich teureren „Gegner“ Parolie bieten könnte.
Leider war der Vergleich auch allzu ernüchternd. Zwar war der Spitzenrote der Domaine schön saftig, mit dezentestem Holz und ganz nett, aber das war es dann auch. Für den Preis den er kosten sollte, würde ich schon etwas erwarten, was einen zu Schwelgen anfangen läßt. Kein Top-Highlight – dafür wäre er dann doch zu presiwert – aber doch an der Schwelle dazu.
Da konnte der Brousse locker mithalten. Zwar war im direkten Vergleich das fehlenden und zugegebener Maßen gut eingebrachte Holz nicht zu ersetzen, aber von der fülligen und runden Tiefenstruktur konnte er gut mithalten und sich im Abgang sogar etwas abheben.
Die ganze Probe dauerte ca. drei Stunden! Es wurde also mit aller Ruhe und Genusserwartung mit spitzer Zunge getestet. Das Ergebniss ist nach der Beschreibung wohl klar und tatsächlich konnten meine englischen Freunde draußen vor dem Tor ihre Enttäuschung auch äußern.
Dies zeigt wieder einmal, daß der direkte Vergleich der einzige Maßstäb ist. Ein Vergleich aus der Erinnerung heraus mag den absoluten Topexperten gelingen, aber auch da hege ich meine Zweifel. Zudem ergab sich in der darauf folgenden Woche noch ein weiterer Aspekt. Auch wenn es hier danach geklungen hat, als wenn die Weine eigentlich keines Wortes wert gewesen wären, erinnere ich immer an unseren Grundsatz, daß eine wahre Aussage über Wein nur zu machen ist, wenn man die Flasche über zwei drei Tage zu Ende trinkt. Da hilft keine gute Zunge, die das in Millisekunden erfasst. Eine Pfütze im Probenglas kann unmöglich zu einem wirklichen Urteil führen. Ausnahme sind Weine die wahrhaft keinen Spass machen. Die können ruhig ausortiert werden ohne dem nochmal nach zu gehen. So habe ich also die zwei „guten“ Roten erstanden, um sie dem Dauertest zu unterziehen.
Hier wurde der zweite Grundsatz (von dreien) der wirklichen Weinproben deutlich. Die Reihenfolge macht’s. Ein wirkliches Urteil über Wein ist niemals in einer Abfolge möglich. Dort entstehen Eindrücke immer in der Folge und immer mit einem Vorurteil. Nie wird so ein Wein als das was er ist gesehen. Das widerspricht nicht Grundsatz Eins, weil der zweite Wein als Referenz benutzt wird, um den Einen zu erkennen. Es geht da also auch nur um die Konzentration auf den einen Wein.
Was geschah also? Der auf der Domaine als Überraschungswein titulierte, war einzeln getrunken ohne Vorgänger ein völliger Ausfall. Es zeigte sich derselbe leicht aggressive Grundton des Einfachen. Also wirkte er dort nur harmonisch weil der erste noch um Längen schlimmer war. Das änderte sich auch mit mehr Luft oder anderer Temperatur nicht. Der Eichenfasswein war dann ein wahrer Schock. Fast nicht wieder zu erkennen. Und da war keine Relativierung mehr möglich. Für den Preis – No.
Ich kann nur noch einmal empfehlen, zu unseren Sonntagsmatinés zu kommen oder zu den Aktionen innerhalb der Woche. Dann können diese grundsätzlichen Dinge über den Weinprobenzauber einmal deutlich diskutiert werden.
Nun war also dieses Erlebnis eher ernüchternder Art. Wir können also trotz aller Vorliebe für das Gaillac nicht jeden Tropfen hochhalten.
Eine eher zufällige Gelegenheit etwas Rares zu probieren, gab es auf dem Nachtflohmarkt in Puycelsi. Dort gab es einen Winzerstand aus dem Departement Aude. Etwas Nord-östlich über Limoux unterhalb der Autobahn. Präsentiert wurden herrlich grottenschlechte Etiketten mit Kunstbauschnamen. Aber ! Monocepagen. Da ich ja mit dem Grenache auf Kriegsfuß stehe und bis jetzt nur einen Winzer kenne, der einen Spitzenwein daraus machen kann, klingelten bei mir trotz der Etiketten die Ohren und ich tat mir den 11°-igen hellroten Grenach an. Nicht so schlecht wie die Etiketten es andeuten war er nervös-fruchtig und immer am Rand der Säureattacke. Eine andere Cepage mit dem hochstechenden Namen Triple-A auf dem Etikett, die jetzt noch nicht genannt wird, weil sie den Weg nach Köln finden wird um dort in einer der ominösen Blindproben mit den Spezies auf zu tauchen, versprach doch interessant zu werden. Zwei Flaschen kamen also ins Regal für die fundierte Dreitagesprobe. Der Grenach ist inzwischen katalogisiert und ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen. Einfach, preiswert und nett für den Sommer. Er präsentiert sich als äußerst stabil. Drei Tage machen ihm garnichts und er präsentiert sich nach 20 Minuten wie nach drei Tagen. Muss man aber auch nicht hinterher sein.
Von Zufallsbegegnung kann man bei den nächsten Weinen nicht unbedingt reden. Für einen kleinen Sommerausflug hatten wir uns entschieden Richtung Nord-Osten Auvergne zu fahren. Wir kreutzen die Gegend, wo Causse Marines seinen Marçillac produziert und kurvten um zwei Gebiete, die mit je 5-7 Winzern eine ganze Appelation ausmachen. Entraygues – de Fel und Estaing.
Ein eigentlich absolutes Muss und als erstes an zu sprechen in diesem Nirgendwo Frankreichs wäre natürlich ein Besuch in Laguiole gewesen. Dort unterhält Michel Bras und sein Sohn eines der wenigen Drei-Sterne-Restaurants in Frankreich. Mehr Infos finden Sie hier www.bras.fr. Leider hätte ein Essen dort mehr gekostet als die gesamte Reise und so konnten wir nur im Bewußtsein, daß einiger der Weine die wir auch im Kölner Depot haben, dort auf der Weinkarte stehen um den dritten Stern zu sichern, auch in unserem Weinregal liegen und ab und zu einen kulinarischen Hochgenuss garantieren.
Alle drei Gebiete sind mit dem Gaillac eng verbunden, weil auch dort der Braucol benutzt wird. Zum Teil in Reinfrorm wie im Marçillac oder in Mischungen. Zudem gibt es dort eine interessante weiße Traube : Chenin. Völlig variierend zum Gaillac kommt hier ein deftiger Schieferanteil im Boden dazu. Das gibt den Weinen im Gros viel mehr Mineraltität und steht bei den Weißen der Säure sehr gut.
Neben den Weinen sind einige andere kulinarische Highlights hier zu finden. Bleu de Auvergne, guter! Cantal, Fromage de Aubrac und Aligot. Die wären etwas für eine der tollen Käse-Weinproben im Depot.
Dann noch die Rindviecher. Wenn man die hier auf den steilen Hängen mit unendlich scheinendem Auslauf sieht, kann man sich ohne Problem die Qualität des Käses, der Creme frâiche, der Butter und des Fleisches vorstellen. Mein Versuch eines original Aligot in Estaing war denn auch ein umwerfendes Erlebnis. Zuletzt hatte ich mich noch bei einem Essen in Gaillac über die Äußerungen einiger Engländer gewundert, die begeistert schwärmten über die Qualität des Fleischs. Irgendwie müssen Engländer ein härteres Gebiss haben. Wenn das zart war, könnte ich auch direkt in eine alte Lederjacke beißen. Aber mittlerweile ist man ja mit wenig zufrieden. Passt vielleicht zum Wienverständnis der Landsleute. Hier in Estaing allerdings, konnte man das Messer beiseite legen. Au point, mit der Zunge zu zerteilen. Die arme glückliche Kuh fällt zwar einem Genießer zum Opfer, aber ob sie das tröstet?
Zurück zum Wein.
Der Marçillac den wir hier zu probieren bekamen war eine Wucht. (Siehe u. Foto wegen der Domaine). Ich habe ja eine komplette Abneigung gegen säurebetonte Weine. Meist ist es halt nur eine euphemistische Umschreibung für sauren Wein. Hier habe ich zum ersten Mal erlebt, wie ein Wein in all seinen guten Qualitäten von der Säure getragen werden kann. Man nimmt sie bei diesem nur als unterfütterndes Ruhekissen war auf dem alles andere schwebend zur Geltung gebracht wird. Alles was einen guten Wein ausmacht, also Fülle, Struktur, Nachhaltigkeit, feine Tannine, Aromen sind hervorragend verbunden. Wir sprechen jetzt wieder nicht von einem absoluten Spitzenwein. Den kann es für 8,60 (in der Region – 12 Euro BRD) nicht geben, aber bei einem solchem Preis würde ich wieder relativ hohe Wetten eingehen, um blinde A-B Proben mit oder gegen gleichpreisige Weine zu machen.
Ein Wein den man wirklich empfehlen kann und der tatsächlich dem Marçillac von Causse Marines Schwierigkeiten bereiten würde.
Entraygues und Le Fel sind einen Besuch wert. Steilhänge (die man erstmal finden muss) die denen in Deutschland nicht nachstehen. Hier sind die Reben meist nur topografisch den Höhenlinien entlang gepflanzt. Sieht aus wie Terassenlagen. Sehr imposant. Sie liegen zwischen 450 und 600m hoch. Die Weine zeichnen sich durch eine ruppig-frische säurebetonte Note aus. Immer beerig und steinobstmäßig. Bei den guten Sorten Anklänge von Lakrtitz und Schokolade. Und auch wenn es ein kleines und völlig unbekanntes Gebiet ist, gehen die Preise ab 5,40 bis in die 12 Euro hinein. Eine Spezialität ist der uns bekannte Ratafia. Der ist allerdings etwas gröber als der aus dem Gaillac, aber dafür kostet er in 0,75er Flaschen auch nur um die 14 Euro. Da fangen im Gaillac die 0,5er an. Eine Spezialität zum Essen hier ist das Aligot. Eine gerührte „Pammpe“ aus Kartoffeln und Käse die ganz hervorragend schmeckt und mit ihrem fett-runden Ansatz einen herrlichen Kontrast gerade für diese Weine bietet. Unbedingt zusammen probieren.
Estaing bot eine interessante Überraschung. Dort gab es mitten im Nirgendwo an der Strasse ein Maison du Vin. Neu, groß und glanzend. Innen drin sieht es dann eher minimalistisch reduziert aus. Die Halle ist zwar vom Conseille General gebaut, wird aber von einer Cooperative gemietet. Wenn wir an Coop denken, haben wir ja direkt Großflächen im Kopf. Die sind hier ja nirgends zu finden und so verwundert es nicht daß die Coop nur 19 ha geteilt auf 7 Winzer hat. Das macht die ganze Sache ja sympathisch. Die Weine sind im ersten Angang genauso verwunderlich. Hervorragend! Weiß, Rot, Mousseux können glänzen und das scheint wohl auch die Redaktion des deutschen Fachmagazins Vinum mitbekommen zu haben, die im Oktober/November dem Gebiet einen eigenen Artikel widmen wird. Zum Glück wird es auf immer und ewig ein Tip bleiben, weil hier keine vermarktbaren Mengen herkommen können. Und zudem ist den Winzern hier schon klar, was der Wein wert ist. Das Preisgefüge zeigt ein gewisses Selbstbewußtsein.
Eine genaue Beschreibung wird nachgeliefert, weil ich vor der Fahrt nach Köln die Spannung hoch halten möchte. Wieder eine der netten überraschenden Aktionen die bei gaillac-et-voisins stattfinden.
Um dem Ganzen noch etwas Anschauliches zu verleihen, hier wieder einige Fotos

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