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Les sureaux sont des plantes herbacées voir des petits arbustes de quatre mètres de hauteur à fleurs blanches.

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Neues Jahr – altes Thema

Eingereicht on 10. Januar 2016 – 17:27

Ich hatte ja schon vor einiger Zeit hier einen Artikel über alte und teure Weine geschrieben.
In den Weinproben ist dieses Thema ja eh immer im Gespräch. Heute sehe ich mich durch die Häufung einiger Artikel auf anderen Blogs dazu veranlasst, das Thema noch einmal aufzugreifen.
Auf zwei Seiten meiner bevorzugten Blogkollegen sind Artikel erschienen, die sich auch mit dem Thema beschäftigen.
teure Bonner Runde
Bonner Runde aus anderer Sicht Teil 1
Bonner Runde aus anderer Sicht Teil 2
Eine kleine Serie die etwas älter ist, aber durch seine Konzentration auf grundlegende Prinzipien fast schon allgemein gültig scheinende, möchte ich auch noch zur Lektüre empfehlen.
allgemeine Gesichtspunkte Teil1
allgemeine Gesichtspunkte Teil2
Auf diesen Artikeln basierend will ich meine Sicht der Dinge noch einmal zur Diskussion stellen.
Hinterfragt eure eigenen Erfahrungen oder vergleicht eure Lektüre damit.
Ich beziehe mich hauptsächlich auf diese 5 Artikel, die stellvertretend für viele ganze oder Teilartikel von Probenberichten stehen, die dieses Thema streifen.
Welche konkrete Fragen interessieren mich hier?
Gibt es so etwas wie eine allgemein gültige Regel – und wenn, welche?
Wie sehr sind wir im Bezug auf „alte und teure Weine“ immer schon voreingenommen?
Zur ersten Frage.
Niemand der einigermaßen vernünftig und aufmerksam ist, würden die Kölner Silvestervorkommnisse, veranlassen, irgend eine stumpfsinnige Verallgemeinerung im Bezug auf Asylbewerber oder Flüchtlinge zu postulieren. Leider scheint das aber bei Vielen nur einem geschuldet zu sein : einer Angst als reaktionär oder ausländerfeindlich zu gelten. Unterschwellig arbeitet die Unsicherheit und unter der Hand tönen dann – vertraulich mitgeteilt – auch andere Parolen.
Bezogen auf Wein scheinen diese Bedenken wegen des „harmlosen“ Themas zu fehlen und es fällt viel leichter, unumstößliche Wahrheiten zu äußern. Hier scheint bei aufgeklärten, aber doch immer noch unsicheren Personen eher die andere Seite zu wirken. Wer sich eigentlich sicher ist, das es keine plumpen Verallgemeinerungen gibt, wird in seinen Äußerungen doch zu Relativierungen getrieben, welche die bekannten Allgemeinsätze andeuten. Man traut sich aber nicht, wirklich etwas dagegen zu sagen.
Konkreter : immer wieder wird den großen Weingütern und bestimmten Regionen oder Rebsorten nicht nur ein großes Lagerungspotential zugesprochen, was sich an Bemerkungen zeigt wie :

Große Weine brauchen jedoch einfach Zeit und Reife, bis sie ihren optimalen Höhepunkt erreichen.

Spitzenweine brauchen manchmal Jahrzehnte, um ihren optimalen Reifezeitpunkt zu erlangen und können fast endlos altern

Die absoluten Spitzenweine können nicht nur toll heranreifen, sondern auch großartig altern

Die sogenannten Sekundär und Tertiäraromen, die erst nach langer Lagerung wahrnehmbar sind, sorgen für den „wahren“ Hochgenuss.

Sie machen den Wein erst wirklich weinig und verleihen ihm ein komplexeres Aroma.

Solche Äußerungen findet man nicht nur in diesem einen Artikel. Hier wird wenigstens alles mit Konditionen versetzt „brauchen jedoch, manchmal, können fast“, was ihren doch auch unsicheren Aussagewert unterstreicht. Das „große“ Weine oder „große“ Namen nicht immer eine Garantie darstellen weiß eigentlich jeder, der die Berichte über diese sogenannten „Großen“ genau liest und später auch die meist eintretenden Enttäuschungen nicht vergisst.
In „unseren“ Artikeln werden auch immer wieder Begründungen gebraucht, um die eigentliche Enttäuschung handhabbar zu machen. Die Weine brauchen immer noch Zeit, sind doch erstaunlicherweise schon über ihrem Zenit, noch zu jung, sind alt und müde.

Natürlich findet man auch Beschreibungen, die schon fast Verliebtheit und Entzücken ausdrücken. Aber in dieser Art von Berichten werden Flaschen die Hunderte bis über Tausende kosten – verkostet! Darf man da nicht sowieso etwas mehr als sonst erwarten?
Es werden aber auch Gründe angesprochen, warum das alles nicht so einfach ist. Die ungeheure Komplexität des ganzen Prozesses. Neben den vom Menschen beeinflussbaren natürlichen Faktoren, wie richtigem Umgang mit dem Weinberg und später dem Lesegut, dem Bestimmen des richtigen Erntezeitpunkts, der sauberen Verarbeitung, dem Respektieren des homogenen Standorts und der Ernte von homogenen Reben, sind auch Einflüsse die nicht beeinflussbar sind ausschlaggebend, wie Temperaturverlauf, Wassersituation in den verschiedenen Stadien, Unwetter, biologische Befälle innerhalb des Jahrgangs. Dann kommen noch die ganzen technischen Eingriffsmöglichkeiten wie Pressung, Art und Dauer der Mazeration, Lagerung und Reifung, Filterung.
Das ist alles immer im Bezug zum Jahr, der Rebsorte und dem Interesse des Winzers zu sehen.
Diese Voraussetzungen kann jeder Winzer mit einem entsprechenden Aufwand (zeitlich und finanziell) bewerkstelligen.

Es sagt auch, dass ein großer Name per se kein Garant für gelungene und tolle Weine ist.
Die Aussage :

Die optimale Trinkreife hat der Wein erreicht, wenn sich alle Komponenten perfekt miteinander harmonisiert haben

trifft das genau und sagt im Bezug auf Genuss, Qualität und Reife sogar noch viel mehr. Es kommt für den „perfekten“ Wein überhaupt nicht wirklich auf die Zeitdauer der Lagerung an. Ja selbst die sogenannten Sekund- und Tertiäraromen zeigen sich bei manchen Weinen auch schon nach erheblich kürzerer Zeit als nach Jahrzehnten. Das bestimmt sich eher durch die ganze Machart.
Meine Erfahrung bei alten Weinen die ich selber getrunken habe und der Lektüre von Weinprobeberichten über die als groß und renommiert gehandelten Weine, bestätigt nur eins : es ist äußerst selten, dass bei den Probanden Freudentränen ausbrechen. Meist gibt es etwas zu mäkeln oder es ist gar wahre Enttäuschung im Spiel. Und gemessen an den Bewertungen ist es einfach nur erschreckend. Selbst wenn man es noch nicht einmal am preislichen Aufwand misst. Dann würde es nämlich absurd.

Die zweite Frage der Voreingenommenheit taucht auch immer wieder auf. Vorurteile werden anscheinend nie endgültig ad acta gelegt. Warum nicht?
Bei derartigen Proben sind die Erwartungen im Vorhinein schon hoch und es tritt oft ein seltsamer aber wohlbekannter Effekt ein, den man aus anderen Lebenssituationen auch kennt. Ein anscheinend sicherer Glaube ist unerschütterlich. Bis zu einem gewissen Punkt. Und das der Glaube keine Tatsache beschreibt wird in solchen Blindproben auch klar. Ohne Wissen werden solche Weine ganz normal und im Nachhinein schockierend bewertet. Da hagelt es dann Relativierungen und Ausflüchte. Selten nimmt man es einfach so hin. Wie bei den ganzen Lebensmittelskandalen ist der Glaube an die „gute Sache“ danach schnell wieder hergestellt weil es halt nicht anders sein darf.
Wenn einen schon eine schwere Flasche dazu verleitet, einen guten Wein zu erwarten, oder die Auszeichnung, oder alleine der Name, dann darf man sich im Fall von alten oder renommierten Weinen nicht wirklich wundern.
Wenn man einmal 200 oder mehr, oder viel mehr Euro für eine Flasche ausgegeben hat oder wenn man die Flaschen 20 und mehr Jahre gepeppelt und beschützt hat, dem kann man nur eine Katastrophe herbei wünschen, weil es sonst unmenschlich schwer wird seinen Glauben aufzugeben. Weil mit der Katastrophe eine Ausnahme von der Regel schnell begründbar ist. „Das ist die eine Flasche“, „Pech gehabt“, „kann immer mal passieren“. Aber der grundsätzliche Glaube kann bestehen bleiben.
Ist bei der Probe das Erlebnis so lala, kann man immer noch seine eigene Unkenntnis vorschieben und die „Tiefe und Reinheit“ des Weins nicht verstehen. Damit erniedrigt man sich lieber selber, lässt aber auch hier den Glauben an das „Große“ bestehen.
Schwierig wird es, wenn der Wein gut ist, aber nicht brilliert. Dann kann man immer noch vorschieben, dass er gerade in einer schwierigen Phase, er zu kalt, zu warm, zu wenig gelüftet ist, in der falschen Folge getrunken wurde oder man ihn besser alleine, ganz in Ruhe getrunken hätte. So gibt es aber Zeugen, denen man später nicht von einem tollen Erlebnis erzählen kann, welches eigentlich hätte eintreten müssen.
Soweit die Erwartungen.
Wir kennen diese spezielle Schwierigkeit neben den ganzen anderen ja zur Genüge. Sich völlig unbelastet und unvoreingenommen in eine Probe zu begeben, ist unmöglich. Dann müsste man alle Kenntnis ablegen und würde damit jeden Maßstab verlieren. Vielleicht ist eine andere Methode besser. Man macht sich „einfach“ seine Vor- und Misslieben bewusst und passt besonders auf, wenn sie sich zeigen und kann dann relativieren oder gezielt entgegen wirken.
Dann gibt es zwei Wege. Entweder man versucht zu genießen und verfällt in einen Schwärmmodus, oder man versucht den Wein einzunorden. Wo wäre er innerhalb des eigenen Erfahrungshorizontes einzuordnen? Achtung : eigener Erfahrungshorizont! Da haben die großen Reputationen, großen Geschichten, großen Namen nichts verloren. Und man muss auch nicht schon hunderte von dem Kaliber getrunken haben um sie wirklich beurteilen zu können. Zum Glück zeigt sich halt immer wieder, dass es mit den sogenannten „Großen“ meist die herben und des Öfteren bei den „Kleinen“ die großen Überraschungen gibt.
Das ist aber auch nicht so überraschend und ohne in einen seltsamen Liberalismus zu verfallen, der auch im anfänglichen Kölner Beispiel nichts zu suchen hat, muss man den Wechsel der Zeiten sehen. Die „großen alten Weine“ haben ihren Namen ja doch eher aus „alten“ Zeiten. In diesen Zeiten war Wein noch etwas anderes. Als Alleinstellungsmerkmal in Zeiten eines kuschenden Respektes entwickelte sich ein anderes Bild von Wein als in den heutigen vernetzten und globalisierten Zeiten. Heute werden Winzer bekannt, die auf wenigen Hektar für erklärbare Preise, Weine produzieren, die zwar mengenmäßig nicht breit vermarktbar sind, die aber alle oben aufgeführten Sorgfaltspflichten erfüllen. Kommen dann auf dieser Domaine Idealismus, Konsequenz, alte Reben, homogener Untergrund und ein klimatisch guter Jahresverlauf zusammen, sind die Bedingungen gegeben, einen wahrhaft großen Wein zu machen. Wohingegen es vor einigen Jahren (mitunter heute noch) purer Zufall war an solch einen Wein, der vielleicht nur in < 400 Flaschenmengen produziert wird und schon vor Abfüllung vergriffen ist, zu kommen, kann das heute schon eher möglich sein.
Nun wollen wir keinen falschen Eindruck entstehen lassen. Um die Produktion eines solchen Weines zu bewerkstelligen und das Überleben des Winzers sichern zu können, kann es einen solchen Wein nicht für „ein paar“ Euro geben. Ich werfe hier mal ein böses Vorurteil in den Ring und sage, dass niemand, der immer noch an die Mär vom guten „billigen“ Wein glauben sollte, auch nur annähernd in der Lage ist, die komplexen und manchmal „schrägen“ Weine zu verstehen.

Worum ging es mir nun? Ich wollte nur noch einmal in anderen Worten dazu auffordern, alte Vorurteile über den Haufen zu schmeißen. In alle Richtungen! Es gibt nicht bestimmte Weine, die sich toll lagern lassen und dann immer mehr bieten. Anderes ja, aber nicht mehr. Was sie an Tiefe und Komplexität bieten (wenn!?), haben sie nicht mehr im Bezug auf ihre vergangene wilde frische Jugendlichkeit. Vorlieben kann man ja ruhig so befriedigen und natürlich ist es toll und spannend, solch eine alte Flasche zu öffnen. So ein Moment bleibt ein Besonderer. Noch besonderer, wenn es dann die letzte ihrer Art ist. Dieses Kribbeln ist toll und macht Spaß. Aber der Wein ist dadurch nicht automatisch besser. Das Erlebnis auf jeden Fall – egal in welche Richtung es geht.

Auf eine Sache möchte ich noch eingehen – die Bemerkung :

Am besten verlässt man sich bei der Überlegung wie lange man den Wein reifen lassen sollte auf den Rat seines Weinhändlers oder Winzer des Vertrauens.

Das halte ich für ebenso unwahrscheinlich, wie die erfüllte Versprechung des gut abgehangenen Weins beim viel späteren Probieren. Wie soll der Händler das denn machen? Auch da sind die Faktoren so komplex, dass die Liste der zu erfüllenden Konditionen so lang wie die EULA von Windows 10 wird. Auf jeden Fall zu lang, um die ganzen darin enthaltenen Schweinereien zu entdecken. Daher halte ich es für ein Indiz, dass ein Händler der sich das zutraut, eher ein Hallodri oder leidenschaftlicher Spieler ist als ein Garant für die Erfüllung des Versprechens.
P.S. Warum das Artikelbild? Wenn ein Winzer sich selber so auf die Schippe nehmen kann und einem seiner Spitzenweine ein anderes Etikett drauf pappt, weil er in dem Jahr nicht seinen eigenen Maßstäben entspricht und ihn im übertragenen Sinne mit „unterstes Niveau“ betitelt, dann scheint mir das sehr dafür zu sprechen, dass der Winzer seine Sache ernst aber nicht todernst nimmt und man selbst von diesem Wein etwas erwarten darf.

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