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13. Februar 2019 – 7:55

Terre Exotique wurde von dem Franzosen Erwann de Kerros aus Rochecarbon am Ufern der Loire gegründet.

Terre Exotique bietet ein großes Sortiment an originellen und gastronomisch kreativen Gewürzen von hoher Qualität. Die hocharomatischen Kompositionen werden noch von Hand geröstet, gemahlen, gemischt und verpackt.
Dieser Koffer « Reise in die Welt der Pfeffer » beinhaltet …

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Norm als Untergang – 32éme Concours des Vins de Gaillac

Eingereicht on 9. Mai 2011 – 16:29

Das war also die Veranstaltung von der einmal vor langer Zeit so vielabhing. 22 Tische voll mit 116 Weinkostern die ca. 250 Weine in zweiStunden durchhechelten. Drei Tische davon mit 16 Konsumenten besetzt.Mehr Zeit wurde bei dem anschließenden Essen und der dort stattfindendengenaueren Beschäftigung mit den nur teilgeleerten Probeflaschenverbracht.
Sie merken schon – ich bin nicht in bester Stimmung um nicht zu sagen,dass ich völlig entnervt bin. Andererseits kann man an dieserVeranstaltung und dessen Implikationen schön sehen, wo wir vongaillac-et-voisins stehen und auch stehen wollen. Nun können wirunumwunden dem früher schon angesprochenen niederschmetterndem UrteilPatrice Lescarrets über die Qualität solcher Veranstaltungen in derNeuzeit komplett beistimmen.
Die Verkoster setzten sich aus ca. 50% Winzern, 30% Händlern und 20%Weinfreunden- und kennern zuammen. Überwiegend älter als 50 und zu ca.1/3 Frauen.
Die Tische waren auf die verschiedenen Kategorien (Blanc sec, rouge,rouge Eichenfass,…) aufgeteilt. Dabei gab es für jede Kategoriemehrere Tische. So gab es z.B. für Rosé 2010 (der Tisch an dem ichteilnahm) 3 Tische.
Es gab zwei Probenrunden. Die erste mit 11 Weinen aus denen die 5 Besten ausgewählt werden sollten.
Runde zwei bestand aus 8 Weinen von denen die drei Besten gekürt werden sollten.
Die Weine wurden zwar blind verkostet, aber die Bewertungen waren nicht verdeckt.
Bewertet wurde nach fünf Gesichtspunkten :
Aussehen, Intensität des Geruchs, Gesamtqualität Geruch, Intensität des Geschmacks und Gesamtqualität Geschmack.
Diese wurden jeweils als :
Ungenügend, Mittelmäßig, Gut, Sehr Gut oder Exellent bewertet.
Dazu kam eine Gesamtnote auf einer 20er-Skala.
Es war Anfangs nicht klar, dass die drei letztendlich ausgesuchtenBesten auch Medaillen bekommen sollten, da an den anderen drei Tischenauch Rosés geprobt wurden. Tatsächlich entfielen so auf jede Kategorieautomatisch mindesten drei Gold-Silber-Bronze-Medaillen. Die in anderemZusammenhang auch auf diesem Gebiet inflationäre Entwicklung ist nur imZusammenhang einsichtig. Dieser ergibt sich durch die Zusammenschau dereinzelnen Beobachtungen.
Am Tisch wurde schnell klar, dass es nicht um aussergewöhnliche oderinteressante Weine gehen sollte, sondern um traditionelle und der Normentsprechende wie man sie schon immer kennt. Beim Abschluss jeder Rundegab es Diskussionen darüber, welcher Wein denn jetzt ausgewählt werdensollte. Die, die etwas Besonderes boten, fielen dort raus weil sie ebennicht der Norm entsprachen. Leider wurde erschwerend Norm auch noch eherin Richtung bieder-neutral interpretiert. Dadurch kamen letztendlichWeine in die Endwertung, die alle gleichgeschaltet neutral fruchtigriechend und schmeckend waren. Demokratie bekommt hier eine sehr schalenBeigeschmack.
Ausserdem entsteht letztendlich ein Henne-Ei-Problem sobald man dann sieht, wer den Hauptteil der Medaillen bekommen hat.
Fast 60 % sind auf die großen Cooperativen gefallen, die ja zuersteinmal viel Wein produzieren und gerade wegen der globalen Vermarktungauf allgemeine Akzeptanz angewiesen sind. Und das erreicht man nur durchnette kleine gängige Weine die jedes Jahr gleich schmecken. Da beisstsich der Hund natürlich in den eigenen Schwanz. Wenn nun dieAuswahlkriterien für die Medaillenvergabe genau dorthin gehen, immergleiche und neutral schöne Weine zu küren, sind natürlich die großenProduzenten die, welche dem am ehesten entsprechen. Dort würde keinersich auch nur im mindesten trauen, „seinen Wein“ zu machen. Weine diemanchmal herrlich schräg oder untypisch sind. Weine, die einen packen,irritieren und lachen lassen. Dort würde keiner seinen Stil vermittelnwollen, weil ein vermarktbarer Allgemeingeschmack getroffen werden muss.
Dieser ganze Prozess entwickelt auf Dauer einen Schneeballeffekt. Die imüberfüllten Markt einkaufenden Endkunden, geblendet, verführt undüberzeugt von Medaillen und Auszeichnungen normen ihren Geschmackzunehmend Richtung neutraler Langeweile, was wiederum die Produzentennoch mehr anspornt oder durch Absatzzahlen bestätigt dazu puscht nochlieblichere und eingängigere – um nicht zu sagen langweiligere – Weinenach zu schieben. Der Kontrast zu ausdrucksstarken mitunter schrägenWeinen wird immer größer.
Nun kann man sich natürlich die Frage stellen, dass wenn dort ca. 50Winzer mit am Tisch saßen, warum dann solche Urteile überhaupt zustandekommen können.
Zuerst einmal muss man in Betracht ziehen, dass nicht alle Winzer Weineeinreichen. Wegen der Art und Weise wie inzwischen gewertet wird, seheneinige Winzer gar keine Anlass, Weine dort zu präsentieren. Nun fallenalso schon einmal viele der interessanten Winzer so aus. Die Weine derKooperativen sind völlig überpräsentiert weil Sie ja nicht wie einzelneWinzer einen oder zwei Rote produzieren, sondern unter verschiedenenLabeln viel mehr produzieren, die dann die Mehrheit stellt. Somit istauf jedem Tisch schon eine gewisse Norm geschaffen und zum Teil reichenWinzer Weine ein, die dann unter aller Kanone sind und so die Norm nochstärken weil sie neben solchen Weinen noch gut wirken können. Sind dannauf einem Tisch ein oder zwei Weine die wirklich interessant sind,fallen die automatisch aus der Norm und sind nur mit Mühe in die Auswahlzu bringen. Besonders unterstützend dabei sind die Zusammenfassungender Benotungen. Jeder nennt seine Favoriten, die dann notiert werden. Sogeschieht es, dass es bei 11 Weinen mehrere mit drei Nennungen bei 5Testern gibt. Der anschließend zu findende Kompromiss, reduziert dieChancen eines aussergewöhnlichen Weines enorm, falls der überhaupt dreiNennungen bekommen hat.
Erschwerend hinzu kommt auch der zeitliche Rahmen. Da es nicht genugZeit gibt sich auf die Eintönigkeit, Langeweile oder gar Penetranz derMassenweine ein zu lassen, bleibt es bei diesem ersten manchmalbetörenden Moment den solche Weine produzieren. Der Moment, auf den sieauch ganz klar hin produziert wurden.
Hier müsste dringend eine neue Kategorie für Massenweine eingeführtwerden. Dort können sich dann diese Normgesöffe um Medaillen schlagen.So gäbe es für kleinere Produzenten die ihren eigenen Stil haben auchwieder Möglichkeiten sich dort zu präsentieren.
Die angesprochene Medailleninflation zeigt deutlich wozu dieseVeranstaltung noch da ist. Genauso wie in anderen Gebieten die sich aufdem Weltmarkt tummeln und bei deren Concours auch mehrfach Medaillen ineiner Kategorie vergeben werden, werden hier Medaillen an die vergeben,die sich auf einem solchen Markt behaupten wollen. Da diese Produzentenmit dem Namen Gaillac nun keinen hinter dem Ofen hervor locken können,würden die Flaschen unbeachtet im Regal stehen bleiben. Mit einerMedaille allerdings kann man jede Flasche überzeugen.
All dies kann uns aber nicht davon abhalten, im nächsten Jahr wiederdabei zu sein und Einfluss zu nehmen. Im Anschluss gab es einigeinteressante Gesprächen mit Winzern und anderen Teilnehmern, die dasProblem ähnlich sehen. Besonders die jüngere Generation scheint indieser Richtung äußerst aufgeschlossen zu sein.
Hören wir hier mit den Schmähungen auf und betrachten im Kontrast unsere Vorstellungen von Wein.
Wir wollen definitiv kein Gesöff. Wir wollen keinen Wein derunaufdringlich eingängig daher kommt. Unser Interesse liegt bei Winzern,die einen eigenen Stil haben und Weine produzieren, die genau umgekehrtwirken. Zuerst manchmal schockierend-irritierend aber auf Dauer mitihrem Reichtum an Facetten und ihrer brillianten Eleganz bestechend.Weine die einem auch Aufgaben geben und einen hart an ihm und sichselber arbeiten lassen. Sie sind schon Teil unseres Anliegens, zu altenQualitäten und differenzierterem Wahrnehmen zurück zu finden. Weinenebeneinander bestehen zu lassen, die völlig unterschiedlich sein könnenund von denen jeder für sich Qualitäten entwickelt die jedem etwasbieten können.

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