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13. Februar 2019 – 7:55

Terre Exotique wurde von dem Franzosen Erwann de Kerros aus Rochecarbon am Ufern der Loire gegründet.

Terre Exotique bietet ein großes Sortiment an originellen und gastronomisch kreativen Gewürzen von hoher Qualität. Die hocharomatischen Kompositionen werden noch von Hand geröstet, gemahlen, gemischt und verpackt.
Dieser Koffer « Reise in die Welt der Pfeffer » beinhaltet …

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Off-Mainstream. Der große Schrecken blieb aus.

Eingereicht on 22. November 2014 – 16:38

Eigentlich hätte ich etwas massivere Gegenreaktionen erwartet, aber die anwesenden Probenteilnehmer waren offenen Geistes und an dem Abend vielleicht besonders feinfühlig. Jedenfalls konnten folgende Weine erfreute und manchmal überraschte Gesichter erzeugen.
1. „1995“, Peyres Combe, Schaumwein champagnoise ZD degorgiert 5.11.2014, Mauzac, Sauvignon, Appellation Gaillac
2. Tenderness 2010 Agnès et René Mosse Chenin blanc Appellation Anjou
3. Vino di Anna Jeudi 15 2012, Anna Martens, Solicchiata (Catania) Sizilien, Nerello Mascalese 60 ­ 100 Jahre alte Stöcke
4.Mauzac noir 2013, Domain Plageoles, Appellation Gaillac
5. Irancy 2012, Château de Béru, Appellation Irancy, Pinot noir und gris
6. Tommy Ruff 2011, Tom Shobbrook, Barossa Valley, S­AU, Syrah, Mourvèdre
7. Altair 2007 (Doux), Domaine de Cantalauze, Appellation Gaillac, Loin de l’Œil
8. Oxytemps 2004, Mas Brunet, Appellation Gaillac, Sauvignon (Vin de Voile)

Das Thema Off-Mainstream sollte an dem Abend ein wenig den Blick öffnen für die verschiedenen Produktionsweisen und Handelswege über die Weine in deutsche Läden kommen.
Zuerst einmal war die Frage der Auswahl und der Reihenfolge für mich ungewöhnlich. Normale Proben leiten einfach immer von den Einfacheren zu den Guten innerhalb einer Klasse. Bringt man 5 verschieden Klassen von Weinsaftprodukten aus verschiedenen Regionen und Ländern zusammen, sind Risiken in der Abfolge der Weine zwangsläufig. In der Probe allerdings waren die Weine durch ihre Eigenständigkeit dermaßen voneinander getrennt, dass jeder quasi einzeln wahr genommen werden konnte. Verbunden wurden sie durch die schwer einzuschätzende Güte. Der Australier hatte es da leicht, weil man aus anderen Gebieten ähnliches kannte und deren Güte unbezweifelt ist. Ich würde bis heute behaupten, dass keiner dem anderen nachstand.
Alle vorgestellten Weine waren sogenannte Vin naturel, also spontan vergorene, meist biologisch oder bio-dynamisch gepflegte Reben mit minimalem (wenn überhaupt) Schwefeleinsatz. Auch wenn diese Art Weine immer mehr in den Focus gerät, so erinnert mich das oft an lang vergangene Zeiten in den 80gern, wo Weine aus dem Bioladen meist nur als bessere Essige wahrgenommen oder verschrien wurden, was schon zum damaligen Zeitpunkt völlig blödsinnig war. Natürlich waren in den Läden angebotenen Weine zumeist im preiswerten Segment angesiedelt und hatten einen Hang zur Säure. Aber es gab durchaus schon damals im gehobenen Preissegment biologische Weine von hervorragender Qualität. Nur wollte das niemand bezahlen. Heutzutage scheinen sich diese Vorurteile auf die heutigen Weine, die der Vin-naturel-Bewegung zugeschrieben werden, 1:1 zu übertragen. Aber wer aufmerksam die guten deutschen Weinblogs liest, kann da nicht mehr ernsthaft dran glauben. Dort werden immer wieder mal Weine zum Verlieben vorgestellt, die eben gerade von so arbeitenden Winzern hergestellt werden. Auf der anderen Seite werden inzwischen in dem Bereich allerdings auch Weine gehandelt, die unter aller Kanone sind. Konsequent naturnah, und ebenso konsequent dilettantisch verarbeitet. Zudem drängen sich schon Winzer in die Szene, die gut bezahlende Kunden riechen. Das Riechen scheint aber oft deren einziges Talent zu sein.
Das Problem mit solcherart Weinen, die keine weitläufige Lobby haben und über die nicht in Hochglanz publiziert wird, ist immer gleich. Kann man solche Weine wirklich ernst nehmen? Schließlich muss ich mich auf Einzelstimmen verlassen, die diese Weine loben, oder viel schwieriger – ich müsste selbst ein Urteil fällen. Da sind wir wieder bei unserem Abend.
Die vorgestellten Weine sind entweder seltenst, oder gar nicht in Deutschland zu finden. Darüber wurde weder schon geschrieben, noch konnten die Weine schon einmal irgendwo probiert worden sein. Man musste also von Null anfangen.
Das gelang recht gut. Der fast 20 Jahre alten Schaumwein von Peyres Combe, der erst eine Woche vor der Probe degorgiert wurde (bitte hier vergleichen -ganz unten das P.S. hier : originalverkorkt ). rief ja noch große Verwirrungen bei der Drunkenmonday-Probe hervor. Diesmal waren erste positive Kommentare schon nach 2 Minuten zu hören. Der Mousseux überrascht mit einer super dichten und schaumig-feinen Perlage und dunkler Farbe. Im Mund meint man ein gewisse Süße zu spüren (unter 1 g/L Restzucker!) und es kommen zunehmend feine Oxydationsnoten und likörige Feinst-Confit-Aromen auf. Ein perfekter Schaumwein mit einem Schuss perfektem Likör.
Natürlich hätte man das auch unter „völlig hinüber“, oder „Weinfehler“ laufen lassen können. Blöd nur, wenn es dann super schmeckt und man mehr davon haben möchte. Welch fataler Zwiespalt!
Weinfehler kann man Nummer zwei nicht bescheinigen. Der Tenderness bringt typisch für die Chenins der unteren Loire eine gewisse oxidative Note mit sich. Hier paarten sich 17 g/L Restzucker mit einer tollen Säure und enormen Aromen. Wenn das ein Einstiegswein im Bereich Vin naturel ist, sollte man vielleicht seine kritische Einstellung zu diesen Weinen noch einmal überprüfen. Hier stimmt alles und der Wein ermöglichte einen grandiosen Übergang zu dem vielleicht schwierigsten Wein des Abends. Aus ca. 900 m ü.M. am Nordhang des Ätna in Lavafeldern stehende Nerelloreben werden von einer australischen Önologin, die mit einem französischen Ex-Rugbyspieler verheiratet ist zu einem sehr hellen Roten verarbeitet. Irritierende Aromen, leichter Stall- Moder- Geruch, doch für die helle Farbe lang anhaltend. Hier schieden sich die Geister. Vielleicht zu Recht.
Weiter ging es mit einer Solovorstellung. Nur einmal in der Welt und nur auf dieser Domaine an- und ausgebaut : Mauzac noir. Feine Frucht, leicht aber mit Tiefgang. Bei der „enormen“ Produktionsmenge, die auf den kleinen Zetteln der Probenteilnehmer notiert war und die einen Herrn immer wieder zum Schmunzeln veranlasste, wunderte es niemanden, wieso solche Weine nicht ihren Weg irgendwohin finden. Sie sind alles andere als Massenwaren. Das hat natürlich für die Winzer einen enormen Vorteil. Sie können „ihren“ Wein machen. Ohne Rücksicht auf Abnahmeverträge oder feine Etikette beim Umgang mit Interessenten. Verkauft wird an wahre Fans und Liebhaber.
Der Fruchtspur folgend, kam der Irancy. Eine Appellation der Bourgogne, die ebenso wie im Hauptgebiet bestimmt ist vom Pinot. Die Winzerin hat in der Appellation eine Parzelle auf der alter Pinot mit ein paar Stöcken Pinot gris durchsetzt ist. Während die anderen Winzer in der Gegend ein wenig Cesare einmischen, erntet sie den Grauburgunder einfach mit. An dem Abend gab es zu den Weinen ja die Spezialitäten von Zimt und Rosen. Zu dem Pinot gab es ein verführerisches Lammgulasch. Und das passte wie die Faust aufs Auge. Die Schönheit des Pinot’s, mit den feinsinnigen und fast blumenblütenhaften Aromen, Kraft und Ausdauer zu entwickeln, ist phänomenal. Der Abend entwickelte sich in die richtige Richtung.
Für den nächsten, war ein Schokoladenmousse a la Z&R vorgesehen. Dazu gab es einen australischen Verschnitt von Syrah und Mourvèdre aus dem Barossa Valley. Selbst bis dahin ist die Vin naturel Bewegung vorgestoßen. Und mit dem Wein macht sie nicht nur der Bewegung alle Ehre, sondern päppelt auch (zumindest mein) Ansehen von australischem Wein enorm auf.
Böse Zungen hätten den Namen zum Anlass genommen, den Wein ins lächerliche zu ziehen. Tommy Ruff war nicht nur der Spitzname des Winzers zu Schulzeiten, sondern bezeichnet auch einen australischen Fisch vor der Südküste Adelaides, der dem Hering ähnlich ist. So hätte man dem Wein als Vin naturel eventuell statt des in Europa bei diesen Weinen so typischen Stall- Dung- Modergeruchs einen fischigen Duft anreden wollen. Doch weit davon entfernt vermochte der Wein es in der Runde eine fast orgienhafte Stimmung, die an eine Szene aus dem Film „Das Parfüm“ erinnerte, zu erzeugen. Mousse und „Der Wein“ waren ein Highlight. Der schon erwähnte schmunzelnde Herr machte passende Notizen, die sich auch mit der internationalen Einschätzung dieses Weines deckten. Hier kratzt jemand aus Down Under an den großen Côte-Rôtie, Crozes-Hermitage.
Nochmal zur Erinnerung : Vin naturel!
Es folgte ein Vertreter der Edelsüßen aus dem Gaillac. Aus 2007 einer der hellsten Sterne am Himmel : Altair im Sternbild des Adlers. Hier zeigt sich die Stärke des Gaillac deutlich. Wucht, Aromen ohne Ende. Dessert – das keinen Begleiter braucht.
Zum Abschluss gab es noch einen Versuch – wie am Anfang – zu schocken. Aber auch hier Fehlanzeige. Der Oxytemps – ein Vertreter der Vin de Voile – und damit den Vin Jaune oder Sherrys sehr nahe, sollt noch einmal zeigen, wie Oxydation gezielt eingesetzt wird. Das Geheimnis dieser, in nicht ganz gefüllten Fässern gelagerten Weine, ist die verlangsamte Oxidation durch die Schutzschicht eines Hefebelags auf der Oberfläche über Jahre hinweg. Dadurch entstehen typische Wahlnussaromen, feinste Bitterstoffe, die mit der Säure und den Oxydationsaromen perfekt harmonieren. Den Oxytemps ein zu schätzen ist für Weinkenner fast schon nicht möglich, weil das Gebiet des Sherrys noch einmal extrem ausdifferenziert betrachtet werden muss. Wer sich dafür interessiert sollte auf jeden Fall das hier lesen : hier : Sherry-Kompendium
Der Mas Brunet müsste eindeutig als Top-Fino eingestuft werden.
Konnte der Abend nun mein gestecktes Ziel erreichen? Eindeutig ja. Geklärt waren natürlich nicht alle Fragen und schon gar nicht eindeutig. Es gab mehrere Punkte innerhalb der Diskussionen, wo man andere Themen hätte aufgreifen können, wie Produktions- und Qualitätskontrollen, Gütekriterien u. a. aber das hätte definitiv den Rahmen gesprengt. Aber die Frage, ob Vin naturel nicht auch enorm gute und interessante Weine hervorbringt, war glaube ich ebenso zu beantworten, wie die Frage, ob kleine Produzenten nicht interessantere Weine als die Macher von Mainstreamweinen produzieren.
Und die Spezialitäten von Zimt & Rosen waren ein Erlebnis. Deren Kombinationen und Kompositionen zeugten von Johannas tiefer Kenntnis und viel Feingefühl im Umgang mit Gewürzen.
Alles in allem also ein äußerst leckerer Abend mit interessanten, überraschenden bis hervorragenden Weinen.
Leider dauert es jetzt bis April bis zur nächsten Runde. Natürlich wieder im privat-kleinen Rahmen mit Weinen die mehr als selten auf Karten oder in Regalen zu finden sind.
Anmeldungen sind für mutige allerdings jetzt schon erlaubt. Als quasi Weinproben-Blind-Date.
Wir freuen uns jedenfalls jetzt schon auf Sie und den Abend.

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