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Baie Sansho

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13. Februar 2019 – 7:55

Terre Exotique wurde von dem Franzosen Erwann de Kerros aus Rochecarbon am Ufern der Loire gegründet.

Terre Exotique bietet ein großes Sortiment an originellen und gastronomisch kreativen Gewürzen von hoher Qualität. Die hocharomatischen Kompositionen werden noch von Hand geröstet, gemahlen, gemischt und verpackt.
Dieser Koffer « Reise in die Welt der Pfeffer » beinhaltet …

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Prowein 2013 – kleine Glosse

Eingereicht on 30. März 2013 – 23:02

Die Messe :
Düsseldorf gilt als die größte Weinfachmesse in der Welt. 7 – zum Teil doppelstöckige – Hallen dichtgefüllt. Ein Stand neben dem anderen. Kein Zentimeter ist verschenkt und alles wird hyper gestylt präsentiert. Glanz und Gloria, Pomade im Haar und Armanianzüge scheinen allerorten rum zu laufen. Das hat nichts mit einer kleinen popeligen und alternativen Messe zu tun mit schrägen Typen und schiefen Weinen. Enorme Standkosten, die sich durch die getätigten Geschäfte rechnen sollen grenzen da schon einmal enorm ein und einiges aus.
Hier geht es zuerst einmal um Mengen. Nicht unbedingt hohe Produktionszahlen. Wir treffen Austeller die auch von einigen Sorten weniger als 10000 Flaschen produzieren. Da wird die Frage aufgeworfen, wozu die überhaupt hier sind.
Wenn man dort unvorbereitet hingeht und vorne anfinge um sich durchzuarbeiten, käme man am ersten Tag vielleicht am Ende einer Reihe in einer Halle an. Die Messe dauert aber nur drei Tage.
Vertreten ist die gesamte weinanbauende Welt. Sowohl vor als auch hinter den Theken. Die wenigsten sind alleinvertretend dort. Oft handelt es sich um organisierte Gemeinschaftsstände von Handelsvertretungen, Weinbauregionen, Distributoren oder organisiert von Marketingberatern.
Man hat manchmal das Gefühl, nicht in der realen Welt zu sein, sondern in einer Art Disneylandattraktion. Besonders wenn der Blick auf schillerndes Publikum fällt. Da gibt es Geissens und Moshammer’s, pelzummantelte Chihuwawas abknutschende Divas bis zu kajaltiefschwarz umrandete Augen schmachtender italiänischer Gigolos an den Ständen. Da ist es leicht die Realität aus dem Auge zu verlieren.
Dann sind da noch Conférenciers, die engagiert werden um Weine in im Minutentakt stattfindenden Veranstaltungen anzupreisen. Da können sie ihre ganze Klasse zeigen wenn sie trotz Kopfschüttelns des Publikums ruhig oder vehement bei ihren griechischen Chören gleichenden (Lob)Gesängen die halbe oder ganze Stunde durchziehen und saure Tropfen schön reden. Wie gesagt, das sind die Guten. Es gibt dann auch herzbewegende naive Vorstellungen die eher an den Komödienstadl erinnern. Alles passt in die Logik des Ganzen.

Die Logik :
Hier geht es um big Bussiness. Da kommt keiner zum Spass haben hin. Und keiner, der keine Mengen zu verkaufen hat. Warum hat er Mengen zu verkaufen? Entweder zuviel Wein für den regionalen Verkauf, oder Wein den er bei Leuten, die die Qualitäten der Region kennen nicht los wird. Das ist natürlich böse. Wir wollen uns ja doch die Hoffnung erhalten, dass es Winzer gibt, die tollen Wein in Unmemgen machen, der quasi für die Welternährung ausreichen würde. Aus lauter Wohlwollen. Ob wir uns da nicht wieder in Disneyland bewegen. Nun ist es ja ungerecht, so generell zu sprechen. Wollen wir einmal konkreter werden und auf eigenen Erfahrungen aufbauen.
Das in der Schlussfolgerungen.
Eine andere Logik könnte man aus den Auftritten der Moderatoren bei Veranstaltungen ableiten. Im Grunde ist der erste Vergleich der mir einfällt : Marktschreier. Hier sogar Weltmarktschreier. Wir befinden uns auf einem Markt und da wollen alle verkaufen. Da auch hier die produzierten Mengen weit über dem Bedarf liegen, kommen einige am Ende zu kurz. Wer Qualität herstellt, hat eigentlich kein Problem seine Mengen zu verkaufen. So wird man hier auch niemanden finden, von dem man weiß, daß alles in Subskription vor Abfüllung schon verkauft ist. Außer bei einigen Nobelhändlern, die dann wieder das Problem haben, die tollen Tropfen loszuwerden. Traurige Sache. Und erhrlich gesagt, bei der Vorstellung des 2010er Jahrgangs der Grand Crus aus dem Bordeaux wurde einem auch schnell klar warum das schwierig ist. Selbst wenn die Kundschaft keine Ahnung hat – was man annehmen muss. Niemand kann ernsthaft solche Weine für gute Weine halten. Aber das ist eventuell so wie mit manchen Fahrern von Porsche oder Ferrari, die nur mit Schuhanzieher ein und Seilwinde aussteigen können. Passt doch – schmeckt doch.
Verkaufen tut dann halt der, der am Lautesten, am Lustigsten, oder am In’nsten ist.
Um bei den Moderatoren zu bleiben. Wie hier mit Euphorismen gespickten Reden ganz normaler Rebensaft (um bei den guten zu bleiben) gepreist wird ohne auch nur einen Ansatz von unterdrücktem Lachen sichtbar werden zu lassen, ist aller Achtung wert. Das ist hochproffessionell. Die tun etwas für ihr Geld. Was das allerdings für Auswirkungen hat, folgt nun.

Die Schlussfolgerung :
Hier sollte es ja wie angekündigt konkret werden. Sehe ich einmal ein Gebiet an, von dem ich sagen kann, es mehr als nur gut zu kennen, und dann sehe, welche Weingüter von dort hier auf der Messe stehen, dann nehme ich mal an, dass das exemplarisch für die anderen Regionen und Gebiete steht.
Die Gaillacwinzer die hier stehen, sind hochproffessionell. Es sind Genossenschaften die in Mengen produzieren, die ausreichend für einen Weltmarkt sind. Es sind Einzelgüter die sich auf Mainstream konzentrieren. Weine die im Gebiet selber gerne von den dort wohnenden verentnerten Engländern getrunken werden. Die Repräsentanten oder Winzer treten schnieke auf und tragen manchmal die Nasen höher als notwendig, um über den Glasrand zu kommen. Allerdings rennt man denen in der Heimat nicht die Bude ein und kein Jahrgang ist schnell ausverkauft. Um es kurz zu machen : all diese repräsentieren nicht die guten Weine, die die Region zu bieten hat. Sie bieten genau das, was ein Markt wie dieser fordert : handelbare Ware. Das könnte sein was es wolle, hauptsache handelbar. Um das Produkt selber geht es nur noch wenig. Und produziert wird, was vorher als Trend annonciert wird. Jetzt sind etwas leichtere und fruchtige Weine angesagt. Doch weider ganz blasse Rosés, die vor Jahren noch nur belächelt wurden. Das erinnert sehr an die Kulturgeschichte von Waschmittelwerbung.
Warum sollten auch die anderen hier auftauchen? Es ist sowieso alles in einem Jahr verkauft. Es gibt keinen Grund hier zu sein und sich mit preisfeilschenden Einkäufern rum zu ärgern.
Da spielen dann auch die Moderatoren eine tragische Rolle. Wie in jedem System an dem man teilnimmt (außer wenn man ein Katalysator wäre), gibt es auch Rückwirkungen. Und wenn man sich zu sehr oder lange mit Modebewegungen befasst oder dem allgemeinen Geschmack, bzw. mit Leuten die -Entschuldigung- keine Ahnung haben, dann könnte man eventuell selber auf Abwege geraten und einen klaren Blick für Originälität und Besonderes verlieren.
Das ist ähnlich wie mit der Treffsicherheit bei Blindverkostungen. Wer den Gewürztraminer aus Neuseeland probiert hat, der nach Chardonnay schmeckt, oder einen südafrikanischen Cot, der Pinot sein könnte, oder eine der 180 autochtonen Rebsorten aus Georgien, die in in der Erde eingegrabenen Tonfässern produziert werden, die wie alles was man sonst so kennt schmecken, aber doch nicht die bekannten Reben sind, dann verliert man den Glauben daran, Wein wirklich erkennen zu können. Darum geht es auch nicht. Es geht um die Einschätzung von Qualität. Und die wird heutzutage und traurigerweise meist vom Mainstream bzw der Werbung bestimmt. Sich in dem Milieu resistent zu erweisen, braucht viel Kraft und man kommt in seltsame Zustände. Schlechte Weine schön reden oder schreiben verändert auf Dauer auch die eigene Wahrnehmung.

Erfreuliche und erschreckende Nebenerkenntnisse :
Zuerst das Erschreckende damit wir mit Positivem enden. Diese Verkaufsshow bietet viele Weine die nicht erwähnt werden müssen. Aber leider danach in Weinhandlungen als Entdeckung, Super, Außergewöhnlich, Geheimtip präsentiert werden. Erinnern sie sich an den immer wieder eingesetzten Witz, bei dem sich 2 Frauen auf einer wichtigen Fete treffen und sie haben dasselbe Kleid an. Normaler Weinhandel ist wie H&M oder C&A. Stangenware die es innerhalb der Stadt 10mal und innerhalb Deutschlands 10000mal gibt. Abgrenzung ist damit schlecht möglich, das soziale Moment ist allerdings, dass man damit Gemeinsamkeiten produziert. Genauso wie Andy Warhol McDonalds toll fand weil es in jeder Fremde ein Gefühl von Heimat und Bekanntem gibt und Unsicherheit kaschiert. Sind wir nicht froh einen Wein zu kennen? Apropos Kennen.
Erschreckend ist auch, das bei der Schnelle mit der man über die Messe hechelt um wenigstens einen kleinen Teil davon zu sehen, es immer noch Händler gibt, die die Winzer gut kennen. Zählen sie mal wieviel Winzer der Händler ihres Vertrauens kennen müsste und wann er die Zeit zum Kennenlernen bei 280 Arbeitstagen hat. Vielleicht bedeutet Kennen heute auch etwas anderes, als ich jetzt mal so naiv annehme. Auch es als „gefunden“ zu bezeichnen, wenn man einen Wein von dort ins Programm aufnimmt, erscheint mir falsch. Bei den tausenden von Ausstellern erscheint es mir eher völlig zufällig, wo man landet und was man probiert und ob man dann noch in einem aufnahmebereiten Zustand war, ist auch fraglich. Jedenfalls grölte machmal der Bär auf der Rückfahrt mit der Bahn. Vielleicht hats ja auch geschmeckt.
Eigentlich wollte ich es auch nicht erwähnen weil es in eine Kerbe haut, die normalerweise großen Protest laut werden lässt. Überseeweine. Ich gebe zu Bedenken, dass auch hier die gleichen Reglen herrschen wie in unserem obigen Gaillacbeispiel. Es werden also nicht unbedingt die Besten sein, die dort zu finden waren. Alle die ich probiert hatte waren toll gemacht. Betonung auf gemacht.
Wenn ich bei fein ziseliertem Wein ins Schwärmen komme, kann ich in diesem Fall am Ende nur von hochpräziesen Higtechdrehbankprodukten sprechen. Sie sind zwar auf den tausendstel Millimeter präzise gefräst, aber auf Sensation getrimmt. Sensation kann dabei eine enorme Wucht an Aromen sein, oder eine tiefe Stille und Ruhe. Trotzdem bleiben sie technisch kühl und es fehlt ihnen an einer Art Schmutzigkeit die sie lebendig machen würde. Es sind im Grunde moderne digitale Weine. Die Eindrücke stehen präzise gehackt nebeneinander und es gibt keine wirkliche Verbindung. Das ist vielleicht auch der Grund, warum sie so oft nach dem zweiten Tag völlig zerfallen. Es gibt keinen inneren Zusammenhalt.
Dabei war auch interessant zu erfahren, wie sie überhaupt nach Europa kommen. Da bestellt man nicht mal eben 60 Flaschen aus NZ oder Chile. Selbst eine Palette ist lächerlich. Bedenke ich den Transportkostenanteil und den Hypebonus den diese Weine erfahren, muss ich sagen, dass sie für das was sie wirklich bieten, völlig überteuert sind. Sorry. Und ich spreche von den Teuren und Guten. Die als dehydriertes Pulver verschifften Dinger, die hier mit gutem Eifelwasser wieder zum Leben erweckt werden und bei uns dann preiswert billig angeboten werden können – da möchte ich erst garnicht drüber reden.
Es war aber auch schön dort. Und zwar z. B. zu sehen wieviel „junges Volk“ sich dort rumtreibt. Die Szene lebt und straft das Vorurteil ab, junge Leute hätten mit Wein nichts am Hut.
Auch gut zu sehen war die Ernsthaftigkeit, mit der doch einige der inflationär ansteigenden Anzahl von sich biologisch nennenden Domainen das Ziel des Umstiegs verfolgen. Lageder verpflichtet Georg Meissner für die komplette Umstellung auf Demeterqualität. Das hat er schon bei Bürklin-Wolf und anderen deutschen Winzern gemacht. Deutsches KnowHow und Seriösität ist doch auch auf dem Gebiet gefragt. Sehr gut. Also Leute immer schön auf das Demeterzeichen achten. Der wieder einmal neu gestylte Sternenkranz der EU-Kontrollstellen darf meinetwegen wehen, aber drauf verlassen würde ich mich ohne weitergehende Kenntis nicht.
Ebenso toll fand ich einige Winzer die in versteckten Ecken aus nicht zu erschließenden Gründen in D’dorf gelandet waren. Viele hatten solche Dimensionen nicht erwartet und waren etwas verloren. Die hätten meist auch nicht die Mengen um die dort auftretenden Einkäufer zu bedienen. Aber es gab zum Teil gute Weine dort.
Auch der georgische Stand mit ca. 14 Winzern war nett, interessant und witzig. Dort war gute Stimmung und angeblich hätte sogar Frau Merkel noch zu ihrer DDR-Zeit vor Ort Wein gekauft. Gute Tropfen waren es sowieso. Allerdings kann ich nicht behaupten, die Winzer jetzt zu kennen und mir bleibt noch ein Rest von Bedenklichkeit erhalten wegen ihres schelmischen Ausdrucks.
Wenn sie jahrelang den von den Russen mehr oder weniger konfiszierten Wein mt Zucker und Wasser gestreckt hatten, um selber noch etwas von den Guten für sich zu haben, zeugt das schon von großer Erfindungsgabe.
So das wars. Eine Erfahrung mehr.

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