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13. Februar 2019 – 7:55

Terre Exotique wurde von dem Franzosen Erwann de Kerros aus Rochecarbon am Ufern der Loire gegründet.

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Quarks und Co. zum Thema Wein (Update2)

Eingereicht on 6. Oktober 2013 – 11:01

Kann man sich überhaupt trauen, irgendwelche Kommentare zu äußern, oder gar inhaltliche Ungenauigkeiten in der Sendung der öffentlich rechtlichen Aufklärungsikone mit fast schon Kultstatus, zu benennen.
Sicher ist niemand unfehlbar – auch nicht wenn man so sympathisch daher kommt wie Ranga Yogeshwar und sein sorgfältig recherchierendes Team.
Grobe Fehler waren es ja auch nicht, aber bei manch Angesprochenem hätte man sich doch gewünscht, wenn es da doch etwas kritischer geworden wäre oder nicht verabsolutierend dargestellt gewesen wäre.

Um dem Folgenden folgen zu können, sollten Sie sich viellecht einmal das Video ansehen. Zu finden am Ende des Kommentars.
Erfreulich war der Anfang mit den Experteneinschätzungen. Endlich wurden mal Weinkenner gezeigt, die fachlich sicher Unterschiede ausmachen konnten die den preislichen Abstufungen entsprachen. Das soll nicht heißen, dass ich an die völlige Übereinstimmung von Qualität und Preis glaube. Allerdings glaube ich auch nicht an die Legende vom Superwein von 5 Euro, der mit einem guten 15 Eurowein mithalten kann. Bei der weiteren Einschätzung in die preisliche Lage der Weine kam ja schon ansatzweise zum Ausdruck, dass die teureren Weine doch meist 50 % unter deren Marktwert geschätzt wurden. Es war ja auch keine repräsentative Menge dort und vielleicht kannten die eingeladenen Experten ja auch Weine, die für ihre geschätzten Preise ähnliche Qualitäten liefern. Die vom Sender Ausgesuchten würden ihnen dann halt überteuert scheinen.
Diese Diskussion über den pekuniären Äquivalentwert wird wohl ewig bestehen und nie verschwinden. Hervorragend um ewig weiter zu streiten.
Höchst erstaunlich war dann die Kombination der klaren Aussage über einen direkten Zusammenhang von Hektar-Ertragsmenge und Qualität sowie der angegebenen Zahlen von 60 bis 70 ha/L pro Hektar für gute Qualitäten. Wenn das schon einen guten Wein ergibt, was ist denn dann mit Erträgen von 10 bis 20 Hektolitern? Das geht mir dann doch zu sehr in eine verklärende Richtung, wo generell zu hohe Erträge, die Großanbauern natürlich recht sind, zu einem Qualitätsmerkmal umgedichtet werden. Schlimmer wird es dann mit der beiläufig dahingesagten Aussage, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln üblich wäre. Schon der Ausdruck Schutzmittel in dem Zusammenhang, wo eigentlich Gifte gemeint sind, über deren verheerende Wirkungen wir ja schon in mehreren Blogbeiträgen berichtet haben, ist ja schon mehr als euphemistisch. Aus journalistischer Sicht würde ich da zum ersten Mal gerne kritischere Worte gehört haben.
Mit einer kleinen Ungenauigkeit geht es weiter. Die etwas zu simple Verbreitungsgeschichte der Kulturpflanze Wein aus dem Kaukasusgebiet und Georgien heraus ist zwar visuell schön dar zu stellen und das Gebiet mit seinen 180 autochthonen Reben ist wirklich etwas Besonderes, aber vielleicht sind die beratenden Experten der Sendung auch noch nicht auf dem letzten Stand. Tatsache ist, dass es im Südwesten von Frankreich den Vorfahren aller Kulturreben auch schon gegeben hat und Wein schon vor den Zeiten der Römer angebaut wurde. Da müssen sich wohl erst einige Leute daran gewöhnen, das althergebrachte Geschichten nicht aus Gewohnheitsrecht ewig bestehen können. Das die Menschheit aus Südafrika heraus die Welt bevölkert hat ist vom gleichen Schlag und bröckelt zwar schon, ist aber immer noch in aller Munde.
Leider ging es zuerst einmal so weiter als das Thema gepfropfte Wurzelstöcke angesprochen wurde. Das es in Europa nur noch solche resistenten Wurzelstöcke geben soll, stimmt so nicht. Überall in Europa gibt es Rebstöcke die aus den Prä-Phylloxera-Zeiten stammen und Weine von unglaublicher Qualität liefern. Auch, dass es wieder in Frage gestellt wird, mit der althergebrachten Gewohnheit zu brechen und es schon erste Versuche gibt, sortenlreine Rebstöcke anzubauen, hätte erwähnt werden können.
Es kam ein dicker aber weitverbreiteter Schnitzer. Der Mensch-Maschinen-Ernte-Vergleich. 3 Stunden Maschine entsprächen 300 Menschenstunden für einen Hektar. Da hat sich dann doch mal wieder eine Null zu viel eingeschlichen. 30 Stunden Handernte reichen dann doch aus, äußerst sorgfältig einen Hektar zu ernten.
(Update 1; : Beim Mensch-Maschinen-Ernte-Vergleich wurde doch zu sehr versucht einen Lobgesang auf Technikeinsatz an zu stimmen. 3 Stunden Maschine entsprächen 300 Menschenstunden für einen Hektar. Da hat man dann auf Erntehelfer gesetzt, die zu recht für den Mindestlohn auch nur Mindestleistung abliefern. 80 bis 90 Stunden Handernte reichen dann doch aus, äußerst sorgfältig einen Hektar zu ernten, wenn man keine 200 hl/ha Hochleistungsrebstöcke als Ausgangspunkt nimmt.)
(Update2 : Da ich am 9.Oktober bei Plageoles einen Tag wegen eines Videoprojekts Erntehelfer war und mich wegen einiger Aussagen im Quarksbericht mit ihm unterhalten hatte, möchte ich nun folgendes hinzusetzen – das Jahr 2013 war wohl europaweit ein katastrophales Jahr. Zu spät warm, generell zu kalt, zu feucht. Die Reben sind mit Pourriture noble versetze Prachtexemplare die eine grundsätzliche Säuberung verlangen wenn man ordentlichen Wein daraus machen will. Bei Handernte im Gegensatz zur Machinenernte ist das bei der Lese direkt möglich. Natürlich dauert es dann um Einiges länger. „Wieviel länger“ war dann auch die Frage an den Meister. 1ha = 2 Tage mit 18 Leuten. Das entspräche also 288 Stunden. Damit erscheinen die Quarksangaben zwar fast doch richtig. Aber eben nur fast. Zuerst einmal weden Apfel mit Birnen verglichen. Die Maschinenernte erfolt auf drahtgeführten Rebstöcken, die (das ist auch nicht angesprochen worden) vorher mit Maschinen quadriert geschnitten und begradigt werden, damit die Erntemaschine gut und schnell durchkommt. Dann handelt es sich bei den maschinengeernteten Flächen meist um Spalierrebreihen der Sorte Guyot im Gegensatz zu der bei Vin-naturel Winzern bevorzugten Gobeleterziehung der Rebstöcke. Diese sind um dschungelmäßig dicht und verstecken die Reben außerordentlich gut. Das Ernten erfölgt in gebückter Haltung und man muß volle Konzentration darauf verwenden, die Augen zu finden, um die Reben abschneiden zu können. Somit ist ein direkter Vergleich per se nicht möglich. Wenn dann auch noch die Reben handselektiert und die Reben in schwierigen Jahren gesäubert werden, erkennt man schnell, das hier mehr Zeit benötigt wird. Daher trifft die ursprüngliche Aussage einer Handernte mit 30 Stunden per Hektar auf einem maschinengerecht vorbereitetem Feld und einer topfitten Crew (der Traktor läuft ja auch nicht auf Sparflamme) durchaus zu.
Ein Punkt der auch zu Buche schlägt, ist die Geselligkeit die während einer Handernte an den Tag gelegt wird. Witze, kleine Diskussionen Neckereien unterbrechen den reinen Arbeitsablauf doch hin und wieder. Dagegen mag zwar mancher davon träumen, einmal einen größen Traktor zu fahren, aber die Arbeit ist dagegen stupide langweilig.)
Weiter geht es mit deutschen Qualitätsmaschinen oder technischer Geschicklichkeit bei der Ernte. In der Szene beim Auskippen des Lesegutes kommen staubtrockene pralle Reben ins Bild. Kein Saft läuft. Das kenne ich anders aus der französischen Realität. Diese Maschinen gehen mit unglaublicher Brutalität vor und die Rebstöcke sehen danach aus wie Hühner aus der Massentierhaltung. Wurde die Szene also gestellt, oder ist da mal wieder diese deutsche Gründlichkeit, die den Franzosen manchmal so sehr an den Nerven zerrt zu sehen gewesen?
Das die Reben durch Rütteln vom Rebstock fallen erscheint wohl jedem, der einmal mit der Schere im Weinberg war, recht unwahrscheinlich. Versuchen Sie einmal so ein Ding ohne Schere abzureißen – geschweige denn abzurütteln. Wir sprechen hier ja nicht von Pflaumen oder Äpfeln.
Die Kommentare bei den Szenen sprechen ja auch davon, dass die Zeit zwischen Ernte und Verarbeitung möglichst kurz sein sollte, damit die Gärung nicht schon anspringt. Bei den gezeigten Bildern, hätte ich da keine Sorgen. Da wurde vielleicht der Wahrheit in den Kommentaren mehr Respekt gezollt und der schöneren Bilder wegen die Szene gestellt und proper sauberes Lesegut gezeigt. Außerdem wäre jede Handernte völlig absurd, wenn solch perfektes Lesegut dann im Weingut ankäme. Besser ginge es per Hand auch nicht.
Die nötigen Kommentare zu den Zuckerwerten und der in Betracht zu ziehenden und kurz erwähnten Klimaerwärmung (Hier der Link zum offiziellen lezten Weltklimawandelbericht Bericht) ergehen sich in dem harmlosen Hinweis auf das Problem, dass bei 15 bis 18 Alkoholprozenten die Hefen abgetötet werden (was so auch nicht stimmt, wie in einem früheren Blogbeitrag erwähnt) und alle Brisanz verschwindet so, wie nach 1700 km der Okavango in der Wüste, im Nichts. Das wäre vielleicht auch zu viel für die Sendung gewesen. Allerdings wird trotzdem auf eine, allerdings wieder verharmloste und auch falsche Konsequenz eingegangen : Bewässerung.
Das muss und darf nicht die Lösung sein. Zum Einen werden da zwei Gesichtspunkte völlig ausgespart :
a. Das Alter der Rebstöcke und b. Die Anpassung der Naturhefen in Verbindung mit biologischem Anbau. Würde die Weinindustrie nicht darauf bestehen, Rebstöcke zu ersetzten, sobald sie keine Höchsterträge mehr liefern, würden die Wurzeln in Tiefen gelangen, wo sie sich weniger um fehlendes Oberflächenwasser scheren müssen. Würde auch nicht so schlampig mit der Giftspritze umgegangen, sondern ein ökologisches Gleichgewicht im Weinberg angestrebt, wären die Naturhefen, die sich den Umweltänderungen anpassen könnten, auch die dann entwickelten Zuckermengen umsetzten. Zum Anderen wird so einmal wieder das Symptom behandelt und nicht die Ursache.
Natürlich würde dass zu Weinen mit höheren Prozentwerten führen, aber das ist ja auch schon in den letzten Jahrzehnten geschehen. Wer sagt denn, das ein Wein mit mehr als 15 Alkoholprozenten nicht mehr schmeckt? Und auch der höhere Wert an Sich kann kein Grund sein, da wir auch Gefallen an Getränken mit weit mehr Alkohol finden.
Noch ein anderer Gesichtspunkt ist da genauer zu betrachten. Der später in der Sendung angesprochene Einfluss des Terroirs. Pflanzen sind ja nicht so dumm wie Menschen. Wenn oben genügend Wasser geliefert wird, warum sollen dann Wurzeln in die Tiefe getrieben und Felsen gesprengt werden?
Ob mit Oberflächenwurzeln immer noch das Terroir zu schmecken wäre, ist die Frage. Zum Glück ist die Weinindustrie da ja schon gut ausgestattet und kann bei der Weiterverarbeitung das Fehlende noch heraus und hinein kitzeln.
Da wären wir dann bei einem aber auch völlig unter den Tisch gekehrten Gesichtspunkt modernen Weinanbaus. Ich habe während der Sendung außer von Schwefelzusätzen (die allerdings qualitätsfördernd beschrieben wurden) von keiner einzigen Substanz gehört, die in den Listen der zugelassenen Zusätze geführt werden.
Der Schwefeleinsatz wird auch nicht wirklich konsequent besprochen. Zuerst wird die Vergärung durch Temperaturschock gestoppt, dann noch einmal durch Schwefelzusatz. Also doppelt gemoppelt? Oder ist doch die Stabilisierung der ausschlaggebende Punkt? Außerdem ist von der Logik her keine Vergärung mehr möglich, wenn kein Zucker mehr vorhanden ist. Dann sollte der Wein auch stabil sein und die Gefahr, dass es zur spontanen Nachvergärung kommt, ist eigentlich gleich 0. Aber vielleicht sind Restzuckerwerte von 0,2 oder weniger in Deutschland undenkbar.
Auch von der Verwendung von Eichenchips, Beeinflussung der Aromatik durch Temperatur gesteuerte Vergärung mit manipulierten Hefen, oder der Schönung mit Filtermassen oder Substanzen, war nicht die Rede.
So bleibt insgesamt der Eindruck zurück, einen groben Überblick erhalten zu haben, aber insgesamt doch sehr beschönigend eine heile Welt präsentiert bekommen zu haben. Der Unterschied zu einer Weinherstellung wie sie in der „Vin naturel“-Bewegung erfolgt, wo jegliche Zusätze ausgeschlossen werden sollen, wäre nach der in der Sendung erfolgten Darstellung nur noch der Einsatz von „Schutzmitteln“ und Reinzuchthefe, die Filterung und die abschließende Schwefelung. Punkte die in der Sendung ja nicht als kritisch betrachtet wurden, sondern eher die Qualität steigernd.
Ernteerträge von 60 bis 70 Hektolitern pro Hektar wären allerdings in der „Vin naturel“-Szene absolute Utopie. Auch würde dort niemand von der Unberechenbarkeit der „wilden“ Hefen sprechen. Und lagerfähige Weine gibt es dort trotz minimaler Schwefelung, bzw. ohne auch. Von qualitativ hervorragenden Weinen gar nicht erst zu sprechen.
Vielleicht hätte da ein anderer Oenologe aus Geisenheim bessere kommentierende Dienste geleistet als die Herren die da zu sehen und hören waren. Georg Meißner hätte da wohl einige passende und kritischere Worte gefunden. Da kann man nur sagen : Chance verpasst!
Anlehnend an den Drei-Sterne-Koch, der das „schmeckt mir – schmeckt mir nicht“ als ausschlaggebenden Punkt sah, ist für mich ebenso einfach zu sagen, dass wenn es also naturnahe interessante Unikate mit toller Qualität aus der „Vin naturel“-Bewegung gibt, warum soll ich mir dann die Industrieweine antun und Risiken eingehen.

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