Für individuelle private Veranstaltungen können Sie Stéphane direkt kontaktieren. Er kann alle Details mit Ihnen absprechen. Im November bin Ich selber wieder in Köln und vielleicht haben Sie Lust eine kleine öffentliche Probe mit zu machen : Ort – Bioladen Kraut&Rüben in der Balthasarstr. 52 im Agnesviertel. Zeit : Samstag 18.11 14 – 18 Uhr. Ihr Gourmetschmiedeteam.
Figues

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10. November 2017 – 21:16

Le figuier est un petit arbre, le plus souvent de trois à quatre mètres de haut.
Il existe plus de 250 sortes de figuiers.
Les variétés de figues sont classées en trois catégories : les figues vertes (ou blanches), les figues grises (ou rouges) et les figues noires (ou violettes)…..

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Salon off – Klartext über Könige, Halbgötter und Wilde.

Eingereicht on 26. September 2015 – 19:26

Spannend wurde es am letzten Wochenende in Bordeaux auf zwei Salon’s off zur Vinexpo. Hier trafen sich von den Rebellen bis zu den gehypten Strahlemänner der Szene alles, was Bio, Biodynamik und Vin naturel zu bieten hat. Und trotzdem war das nur ein kleiner Teil der gesamten Szene.

Zuerst einmal schien mir das Wochenende ein einziger Traum zu werden. Triple A in Form von drei heißen Bräuten : Anna, Angelina, Aurélia. Noch bevor ich Anna Martens begegnen konnte, saß ich früh morgens in meiner Unterkunft am Frühstückstisch mit einem Kanadier zusammen und seine Geschichte trifft mich volle Breitseite. Er ist unterwegs für Oenopole aus Montréal. Na dämmerts? Er arbeitet für Aurélia Filion, den Traum eines jeden Weinliebhabers und die Lichtgestalt der Weinbesprechungen. Da warte ich auf die Begegnung mit meiner Traumwinzerin und höre Geschichten von meiner Traumsommeliere.

Arelia

Jetzt fehlte nur noch Angelina und ich hätte meine drei Traumfrauen zusammen. Aber die war nicht zu finden und ich musste am nächsten Tag mit ihrem fast-Namensvetter Nicolas Joly vorlieb nehmen. Aber es sollte ja nicht um Frauen gehen, sondern um Wein.

Also – drei Aspekte möchte ich heute hervorheben. Leute, Weine und aktuelle Themen unter den Winzern.
Ein vollständiger Bericht würde jeden Rahmen sprengen und keine noch so blumige Weinbesprechung kann das eigene Probieren ersetzen. Geschweige denn das Gefühl für die Integrität der Winzer zu bekommen. Wer sich wirklich für Wein interessiert, muss sich also bewegen und solche Events besuchen. Was ich allerdings mitteilen kann, sind die Eindrücke die durch die schnelle Folge der verkosteten Weine und der Auseinandersetzungen mit den Winzern einen erstaunlichen Kontrast entwickeln, der Weine, Winzer und Weinregionen deutlicher voneinander absetzt.
Danach noch eine kurze Erklärung zu meinen persönlichen Favoriten.

1. Die Leute
Die beiden Salons waren die perfekte Gelegenheit, sich einen konzentrierten Überblick zu verschaffen. Zum einen waren die Mischungen der teilnehmenden Winzer auf beiden Salons äußerst unterschiedlich in formeller Hinsicht, zum anderen spiegelte die Örtlichkeit genau die emotionale Lage und Stimmung wider. Im Espace Darwin bei der „La Renaissance des Appellations“ wurden strikt nur biodynamische Winzer zugelassen. Das ganze spielte sich in einer Halle ab die quadratisch, praktisch gut(?) war und ein Zurechtfinden vereinfachte. Die Halle selber befand sich innerhalb eines alten Industriegeländes, das von Graffities gezeichnet war und neben integrierten Ruinen mehrere Komplexe minimalistisch, aber auch verspielt, durch Kunstinstallationen miteinander verband. Das kennt man von Frankreich. Immer ein wenig gekünstelt und viel Mühe auf Äußerlichkeiten verwendend. Die Halle hatte auch einen großen Nachteil : der Schallpegel durch die vielen Unterhaltungen, die von allen Flächen reflektiert wurden, machte es oft schwer zu verstehen, was dort erzählt wurde. Und auf keinen Fall wollte man dort seine Stimme über ein gewisses Maß erheben. Schließlich befand man sich im illustren Kreis anthroposophischer Größen im feinen Zwirn. Aber vielleicht war das auch gut so, denn vieles von dem Gesagten war schlichtweg ganz normal.

Renaissance_1Renaissance_3Renaissance_2
Anders auf dem Château Moulin Pey-Labrie bei Fronsac. Man stellte sich den Unwägbarkeiten der Natur, locker aufgestellte Tonnen als Präsentationsplattformen mussten reichen und hier traf man von Biodynamik bis EU-Bio, oder gar überhaupt keinem Label, alles mögliche. Sollte man hier Zweifel hegen? Im Espace schien die Horde an großen Namen, Demetersiegeln und der eigenen Qualitätscharte eine undiskuttierbare Sicherheit zu geben. Allerdings fand man hier wie dort einige Winzer (Breton, Cosse, Hauvette, Landron..), die beide Events mitmachten. Und die sind genau wie viele andere sehr darauf bedacht, nicht in einen Topf mit „irgend wem“ geworfen zu werden. So entsteht eine andere Art von Absicherung, die nicht über das rein Formale läuft, sondern auf Erfahrung, intimer Kenntnis und Akzeptanz basiert.

Pey_Labrie_2Pey_Labrie_Anna_2
Grob beschrieben kann man kurz zusammenfassen : auf dem Château kumpelhaft sorglos locker schloddrig, im Espace zum Teil eher gediegen steif reserviert.
Gerade die ganz großen Namen machten mich nachdenklich, brachten mich aber auch zum Schmunzeln. Domaine Leroy, Domaine d’Auvenay, Coulée de Serrant, Gourt de Mautens, die immer wieder hoch gehandelt werden, zeigten drei Gesichter dieser Szene die ich kurz karikieren will. Zwei andere folgen als Kontrast.
Die Königin des Burgund : Lalou Leroy. Um 10 Uhr war keiner am Tisch, um 18 Uhr war keiner am Tisch. Auch kein Wein.

 

Renaissance_Leroy

Im Gespräch am Nachmittag mit einem französischen Weinjournalisten erfuhr ich, dass dieser Tisch einmal für 30 Minuten besetzt gewesen sei. Das habe ich verpasst. Aber ich habe Lalou und Ehemann stolzieren – oder sollte man eher sagen – herumstolpern sehen. Er in feinstem gehechseltem Hanf-Leinen-Alternativzwirn, garantiert mit Ökosiegel, in reinstem gebrochenem Eierschalenweiß und wahrscheinlich mehr kostend als einer seiner Weine, immer etwas verwirrt um sich schauend und leicht wankend. Sie, an eine Mischung aus Brigitte Bardot, Jeanne Moureau und Catherine Deneuve, die an Woody Allens Film „The purple Rose of Cairo“ erinnernd, der Leinwand entstiegen in die Welt der „Normalen“ geraten ist. Sie schienen genau dort zu sein wo ihre Weine oft von Kritikern hin gelobt werden – außerhalb der normalen Welt. Nun waren die Weine ja anscheinend nur 30 Minuten zugänglich und so jeglicher Kontrolle entzogen. Ich kann nur hochrechnend schließen, dass es eventuell sogar so gewollt war. Denn rundherum gab es ja andere Weine im direkten Vergleich zu probieren, die auch nicht von schlechten Eltern waren. Aber dazu später.
Die zweite Lichtgestalt – der Halbgott Nicolas Joly.

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Völlig anders und doch in einer Hinsicht gleich. Am Stand war er nur sekundenweise zu finden. Dort wurden die Weine von seiner Tochter und einem höchst gebildeten jungen hochgeschossenen Mann, der ohne Akzent in mehreren Sprachen den Leuten die Weine einschenken konnte, präsentiert. 4 an der Zahl und ordentlich mit den wichtigen Daten versehen.

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Er selber zog wie ein Derwisch begeistert durch die Halle, immer auf der Suche nach befreundeten Winzern, um diese von ihrem Stand weg, zum Stand eines befreundeten Winzers zu ziehen und dort dessen Weine zu probieren. Er zeigte eine unglaubliche Begeisterung. Aber auch dazu später mehr.
Er selber, anders als die Leroy’s, ein kleinkariertes bräunliches Jackett tragend, dem man auch wirkliche Arbeit ansehen konnte. Hochaufgeschossen mit der riesigen Brille, den wilden Blick (passend zum Haar) noch betonend, sprühte er vor Freude und Mitteilsamkeit. Hier hatte jemand richtig Spaß. Andere Winzer liefen zwar auch von ihren Ständen weg, um anderes zu probieren, aber er hat an diesem Tag wohl die größte Kilometerleistung vollbracht. Man kann sich jedenfalls seine Aktivität und Vorreiterrolle so besser vorstellen. Dieser Mann muss Schaffen.
Jerome Bressy – Gourt de Mautens.

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Hier findet sich – außer bei den Weinen – einiges an Normalität. Nichts aufgesetzt-übertriebenes. Hier herrscht endlich einmal die Ruhe, um sich auch um die Weine zu kümmern. Keine Hektik und eine gute Stimmung von noch immer jugendlicher Frische und enormer Erfahrung. Hier sind die Nasen frontal zu sehen=;)
So unterschiedlich geht es hier zu. Und trotzdem gibt es Lichtjahre entfernt noch andere.
Nummer eins : Stefano Bellotti (siehe Beitragsbild). Wer einmal das Glück hatte den Film „Résistance naturelle“ gesehen zu haben, weiß wie viel biodynamischer Weinbau auch mit Politik und Widerstand zu tun hat. Stefano auf diesem Salon, neben den eben beschriebenen Stars zu sehen, zeigt wie uneinheitlich selbst diese durch das Label verbundene Szene ist. Es zeigt auch, dass es nicht alleine reicht, sich die Ware Wein anzusehen und den ganzen damit verbundenen Rest außer Acht zu lassen. Hier geht es um konkrete Zukunftsgestaltung und Widerstand. Wer das nicht wahrhaben will, macht deshalb auch nicht den Mund auf, wenn das Thema konventionelle Weine angesprochen wird. Alle reden gerade von der Fifa. Wer glaubt denn ernsthaft, an weiße Westen im konventionellen Weinbau?
Jedenfalls war der Handschlag mit Stefano für mich berührender, als der Genuss der interessantesten Weine.
Die anderen erwähnenswerten Figuren sind Bénédicte und Grégoire Hubau, Besitzer des Châteaus und Veranstalter des Salons am Vortag.

Pey_Labrie_1

Sie sind in einer gewissen Art und Weise nahe mit Stefano verwandt. Auch bei ihnen wird Klartext geredet und trotz aller anscheinenden Wildheit, sollte niemand auf die Idee kommen, darunter würde die konsequente Arbeit leiden. Hier lebt der Gedanke von Ganzheitlichkeit und Bio.
Ein Ausdruck, wie unterschiedlich die Veranstaltungen waren, zeigt auch der kulinarische Aspekt.
Wenn Wein etwas mit Genüßlichkeit zu tun hat, dann war diese nur auf dem Château zu finden. Den ganzen Tag gab es irgendwelche Köstlichkeiten auf den Buffettischen, oder auf Holztafeln durchs Publikum getragen. Abends dann noch zwei Lämmer und 6 gebratene frische Serranoschinken, Leberpastete zum Abwinken und Party.

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Schockierend puritanisch eher die Biodynamiker. Null Essen, einzelne trockene Brotscheiben an den Tischen, und die Winzer selber mit Pizza oder Sandwichs um die Mittagszeit. Eine etwas seltsam anmutende Stimmung. Aber vielleicht verließen sie sich auf das gegenüber liegende Bistro mit angeschlossenem Bioladen.
Noch ein Wort zu den Besuchern. Einige Leute begegnete ich an beiden Tagen. Bemerkbare Unterschiede gab es aber bei zwei Gruppen. Chinesen : davon gab es auf dem Château einige – bei den Biodynamikern eher wenige. Dafür waren dort die geschäftigen Listenträger mit Ordnern unterm Arm offensichtlicher. Es schien ein wenig mehr um „seriöses“ Geschäft zu gehen. Angesichts des bemerkenswerten Unterschieds im allgemeinen Preisniveau vielleicht auch nicht verwunderlich. Lag der Durchschnittspreis der angebotenen Weine auf dem Château noch geschätzt bei 18 Euro, bewegten sich die Durchschnittspreise im Espace schon eher bei 25-35 Euro. Dort war allerdings die Spanne zwischen dem preiswertesten und teuersten erheblich größer.

2. Die Weine

Wie den meisten schon bekannt : geht mir weg mit Champagner. Ich versteh dass Gerede darüber einfach nicht. Egal wie man das schmackhaft machen will und welche Geschichten man darum rankt. Er ist teuer und dann ? Davon schwärmen kann man ehrlich nur, wenn man seinen Blick sehr verengt. Und da hilft dann auch kein Name mehr. Wenn man die Nase eines Drogenspürhundes hätte, könnte man eventuell Feinheiten in der Nase ausmachen. Perlage – das haben alle Schaumweine und da bietet die Champagne nicht per se etwas Besseres. Aromatik! ? Ja Hallo – wovon reden wir denn? Da muss man schon viel Phantasie aufbringen um sich da Nuancen von irgendwas einzubilden. Und Abgang? Mit Glück kann man von feinen bis kräftig-herben oder überraschenden bitteren Noten sprechen.
Also all das reicht mir nicht. Und schon gar nicht für diese Preise. Ich denke, dass der ganze Hype um Jahrgangssekte, Monocepagen, Lagerung und immer wieder neue noch unentdeckte oder unterschätzte Talente nur einem Zweck dient : immer wieder neu ein künstliches Interesse zu wecken.
Ist wie bei Windows oder IPhone. Mit jeder Version und neuem Model hofft man endlich die Fehler der Vorgänger loszuwerden oder ist gespannt auf die toll angepriesenen neuen Features, die sich dann als völlig überflüssig erweisen. Inzwischen kommen immer weiter Hinweise darauf, daß ich eventuell noch nie einen wirklich guten getrunken habe. Ich solle doch einmal einen Selosse probieren. Kann ich machen. Einer der großen Namen in der Vin naturel Szene und mit entsprechenden Preisen. Startend mit knappest unter 100 Euro und hoch gehend bis knapp unter 300. Es scheint andere Kaliber zu benötigen, um den Mousseux aus dem Gaillac Kontra bieten zu können. Auf jeden Fall muss man anscheinend 10 – 20 mal mehr ausgeben, um den gleichen Genuss haben zu können.
Bordeaux : mit Wohlwollen könnte ich den Gedanken zulassen, dass dort einige Winzer wieder zu alten Wurzeln zurück kehren und Weine machen, die Zeit brauchen. Der Anfang der 90er vollzogene Wechsel in der Produktion, zu schneller trink- und verkaufbaren Weinen brachte ja nicht mehr Qualität mit sich. Die Schwemme von abgefülltem Cru-deklariertem Mist für unter 10 Euro sorgt auch nicht gerade für einen Anreiz besser über das Gebiet zu sprechen. Ebenso wenig wie die teureren Sachen. Siehe Proweins Grand Crus Verkostungen. Die sind doch wohl ein Witz – oder? Ob diese Weine dann wirklich nach 20 Jahren im eigenen unzulänglichen Keller gelagert und 4mal umgezogen, auch wirklich gut sind, ist fraglich.
Das war jetzt extrem hart, weil es doch auch einige gibt, die Merlots zu einer interessanten Alternative auf der Geschmackspalette machen.
Österreich : Es waren nur drei dort und das lässt weitreichende Schlüsse nicht zu. Aber wenn keiner von diesen drei die bisherigen Erfahrungen ankratzt, sorgt man sich doch. Immer noch sind rote Österreicher für mich keine Freude. Zuviel Säure nach hinten raus. Neu auftauchende Rebsorten bringen da Abwechslung. Bei den Weißen haben mich die grünen Veltliner vom Weingut Geyerhof überrascht. Das verleitet zur intensiveren Forschung.

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Leider war genau der Wein, der in fast allen Bioweinhandlungen in der BRD zu finden ist, eine große Enttäuschung. Da bewahrheitet sich wieder einmal, dass wer viel Aufmerksamkeit auf die Namens und Etikettengestaltung legt, eventuell mehr Zeit dem Wein widmen sollte. Meinklang kann unmöglich meine Empfehlung sein. So nett die Macher auch sind.
Spanien : Ich glaube den Winzern, wenn sie auf einmal Rote mit weniger als 14 % und ohne Schwefelunterbrechung und ohne Restzucker haben. Wer früher erntet oder höher gelegen ist kann das schaffen. Das Problem bleibt dann aber die relative Unreife. Aber es tut sich was dort und in einigen Jahren werden die pfiffigen Leute dort tolle Weine servieren. Nur heute noch nicht. Leckere kann man finden aber nicht wirklich was Besonderes.
Italien : ein sehr gemischter Eindruck ist da geblieben. Zum Teil super, andere nee Danke, viele dafür zu teuer. Klar das Stefano als Guter gelobt wir.

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Allerdings nur mit den Weißen. Die Roten sind zu grob. Nützt nur niemandem was, weil wahrscheinlich keiner seiner Weine in deutschen Weinregalen steht. Am Vortag gab es mit Elisabetta Foradori allerdings (und mal wieder) einen Hauptgewinn. Keine Überflieger, aber tolle Weine für gutes (kein kleines) Geld.

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Deutschland : Wittmann, Rebholz und Trautheim waren dort. Ich frage mich warum ? Wenn Deutschland in Frankreich in Sachen Wirtschaft immer als Aushängeschild für Perfektion gehandelt wird, war das jetzt kein Paradebeispiel. Wenn ich mich in ein Land traue, in dem es auch gute Weiße gibt, dann muss ich doch selbst die Reaktionen der Probierenden einschätzen können wenn ich meine Weine kenne und wenigstens so ungefähr die anderen. Und wenn ich am Stand niemanden stehen habe, der französisch oder wenigstens englisch sprechen kann, dann habe ich kein gutes Blatt in der Hand. Wenn die Weine einen dann umhauen würden – ok – aber selbst die GG’s hauten einen da nicht vom Hocker. Von den Preisen reden wir mal lieber nicht. Da passt die Relation überhaupt nicht.
Australien : auch überhaupt nicht repräsentativ aber wegen des Folgenden erwähnenswert. Es gab nur einen dort. Castagna Vineyard. Julien war super nett – wie Australier nun mal sind und seine Weine sind der Knaller.

Renaissance_Julien

Oder könnten in einigen Jahren guter Lagerung so etwas werden. Super ist einfach der Ansatz den er hat. Er will Abenteuer erleben und Irritationen schaffen. Mit einer Mischung von Syrah/Sangiovese oder sogar Shiraz, Viognier und Sangiovese sorgt man für Aufsehen. Juliens Weine wurden von Nicolas Joly hochgelobt und er tauchte immer wieder mit neuen Winzerkollegen auf, um sie probieren zu lassen. Nun ja. Die Preise hauten mich dann allerdings mehr um, als die Weine. Und wie sich herausstellte ist Julien ein guter Freund von Tom Shoebrook. Wer sich an einen alten Artikel erinnert weiß, wie mich einer seiner Weine (Tommy Ruff) umgehauen hat. Das Juliens Preise doppelt so teuer sind wie Tom’s Weine, lässt sie dann nochmal in einem anderen Licht da stehen.
Und das muss noch gesagt werden, weil es an ganz alte Zeiten erinnert. In den 80gern bin ich tausende Kilometer durch die Schweiz gewandert. und das Wallis und die westlichen Ausläufer hatte damals schon einen enormen Reiz. Nicht so sehr wegen der mondänen Edelwintersportorte, sondern wegen der kleineren Dinge wie Walnüsse und Maronen, Nietzche und Wein. Hier auf dem Salon jemanden wieder zu finden, den ich aus den Zeiten kannte war das Sahnehäubchen auf allem.

Renaissance_Suisse
Immer noch sind die Weine wie die klaren eiskalten Bergbäche und die sonnendurchfluteten Bergtäler. Mineralisch mit einem klaren dichten Aroma. Muss man probieren!
Schnell noch ein paar französische Regionen :
Jura – toll, teuer, aber auch wert.
Languedoc-Roussillion – Suchen, suchen, suchen. Viel zu viel grobes Zeug, was natürlich auch schwer ist mit Grenache, Carignan, Cinslaut und Mourvèdre. Ausnahmen bestätigen aber die Regel und die Jahrgänge sind hier enorm wichtig.
Provence – da fehlt mir ein wenig die Eigenständigkeit und das Profil. Eher trinken, wenn man dort ist.
Bourgogne – riesige Unterschiede, sowohl im Preis als auch in den Qualitäten. Nicht von der Vielfalt der Appellationen verwirren lassen. Man muss seine finden. Meine sind eindeutig Volnay oder Nuits Saint Georges. Da es auch hier viele Winzer gibt, ist das Abenteuer Suche angesagt.
Und eine große Überraschung war am ersten Tag die Domaine Marechal (Catherine und Claude) Tolle Preise, tolle ausdrucksvolle Weine.

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Elsass – alle Achtung immer wieder mal. Aber auch hier garantieren große Namen wie Zind-Humbrecht nichts Aufregendes. Die unumstrittenen Meister beschrieb ich ja schon im letzten Jahr anlässlich des Besuchs der Domaine Verchant – Domaine Albert Mann. Die waren nicht hier, aber es gab zwei andere Highlights. Domaine Barmes Buecher

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und Domaine Hausherr.

Pey_Labrie_Hausherr

B&B bieten glatt-fette Rieslinge, einen Gewürztraminer zum drin baden. Das bleibt notiert. Insbesondere auch, weil das junge Pärchen so schnuckelig ist und wohlerzogen. Und die Hausherrs bestachen durch ihre Herzlichkeit und ihre Zurückhaltung. Frische komplexe Sachen die Spaß machen.
Rhone – Ähnlich wie in der Bourgogne eine enorme Vielfalt. Aber auch die schon bekannten Probleme mit den Sorten. Die Reben sind raue Burschen und man kann sich nicht immer mit „noch jung“ oder „der wird toll“ oder „ tolle Tannine“ rausreden. Domaine Gramenon zeigt, dass es auch anders geht. Und unser hochgelobter Gourt de Mautens? Wie schon gesagt, sie sind unglaublich sympathisch und erschlagend frisch ein dahingelachtes „Alles 40 Euro“ zeigt, dass der Preis nicht wirklich wichtig ist. Die Weißen sind ein Traum und 40 sind dafür ok. Die Roten (2011/2013) fallen leider unter die Abwarten-Kategorie. Wer die jetzt schon toll findet, versteht entweder nichts vom Wein, oder kennt keine Alternativen.
Loire – und damit kommen wir also zu unserem von Journalen und Blogs ernannten Loire-Halbgott Nicolas Joly. Er ist ein toller Typ und er wird anerkannt. Er macht viel für die biodynamische Anbauweise im Weinbau und geht in vielen Dingen voran. Kuhdungdüngung und Schafe zwischen den Reben lassen eine Idylle entstehen. Alles Klasse. Und seine Begeisterung für andere Weine zeigt ihn als offenen nicht auf sich fixierten Menschen. Nun hatte ich ja das Vergnügen zu sehen, hören und schmecken, was er denn so toll findet. Einige Stände wollte er ja unbedingt zeigen und empfehlen. Und mein Einwurf, das Champagner ja nun wirklich nicht der Bringer ist wenn man einmal die Gaillacs getrunken hat, hat ihn nicht aufgebracht. Vielleicht auch weil Causse Marines, die in dem Moment direkt den Stand schräg hinter uns belegten ein Beispiel für die Behauptung war und er ihre Mousseux kennt. Jedenfalls kam da kein großer Protest seinerseits auf. Seine Empfehlungen waren gut aber ich finde, nicht dem Überschwang angepasst. Wenn das also sein Maß ist für guten Wein, dann wundert mich auch nicht mehr, was er selbst anbietet. Ich war anfangs sehr gespannt, aber dann doch eher ernüchtert. Sein Savenniers ist gut, sauber, präzise. Trinkt den von Mosse und dann sprechen wir nochmal drüber.
Eine verwunderliche Sache bleibt auch noch zu berichten. Um das alles und den Umfang an Geschäft einmal abzuschätzen. Es wird unglaublich viel in Deutschland publiziert und gehypt. Und wenn man an die Benotungen denkt, sollte man meinen, dass es doch bei soviel Gerede auch ein tatsächliches Interesse geben sollte. Eine Zahl nur mal so nebenbei. Nicolas hat sich darüber gewundert als ich ihm berichtet habe, dass er bei einer Vielzahl von Bloggern und Berichten in Hochglanzjournalen so sehr als Ikone für Qualität, Loire und Biodynamik steht. Das passt so ganz und gar nicht zu den Exportzahlen Richtung BRD. Hochgeschätzt 300 Flaschen im Jahr! Und er hat keine Erklärung dafür. Vielleicht ist es doch noch viel bedenklicher als man meint, wenn die Statistik eben nur 2,84 Euro pro Liter im Durchschnitt für den Weineinkauf belegt. Ist vielleicht der Konsum der Artikel und das Gerede über Wein wichtiger, als das tatsächliche Trinken und im Falle von diesen besprochenen Weinen auch des Genusses ?
Süd-West – Es bleibt ein Schatz. Die Sortenvielfalt und wechselnden Untergründe, die Experimentierfreude der Winzer und deren Aufmüpfigkeit. Ich will da nicht alles über den grünen Klee loben, aber auch hier lohnt die Suche mehr als man ahnt.

3. Die Interna und großen Themen
Was bewegte die Besucher und die Winzer neben dem Interesse am Wein selber? Ein großes Thema war natürlich HVE (Haute Valeur Environnementale). Das ist das ganz neue Label für einen angeblich ganzheitlichen Bewertungsansatz und nachhaltige Bewirtschaftung. Ich hatte ja schon kurz berichtet, welche Diskussion sich beim „Piquenique au Domaine“ mit Michel Issaly entspann und ich starke Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Labels und der Bewertungskriterien äußerte. Er war vielleicht in den 6 Jahren als Präsident der unabhängigen Winzer zu sehr Politiker geworden und muss erst wieder hier ankommen. 4 Tage Paris in der Woche und nur 3 auf der Domaine hinterlassen Wunden.
Dieses Label wird von fast allen Salonwinzer belächelt und abgelehnt. Für die offiziellen Biodynamiker ist es völlig unzulänglich und unannehmbar. Für die unabhängigen „Bios“ einfach lächerlich. Die Besucher allerdings wussten zuerst einmal nichts davon und in den Gesprächen zeigte sich die immer wieder auftauchende große Verwirrung, was den Bio nun wirklich ist und wie sich die einzelnen Label und Gruppierungen voneinander unterscheiden.
Das erinnert stark an die Diskussionen um den Begriff Vin naturel. Die sich stark in den Vordergrund spielende Fraktion mit angeblich völlig schwefelfreien Weinen, ähnelt sehr den fundamentalistischen Veganerntalliban, mit denen auch nicht gut Kirschen essen ist und die jedem auf den Nerv gehen. Das totalitäre Gehabe ignoriert einfach die Realität und schlimmer als nur leugnen, werden Fakten verschwiegen und es werden Lügen in die Welt gesetzt. Die naive Gutgläubigkeit spielt da eine große Rolle. Ein bezauberndes Lächeln des Winzers und ein dahin geschludertes „ich schwefle nicht“ ohne Beleg, führt ohne Kontrolle zu falschen Behauptungen. Außerdem ist die völlige Reduktion auf den Schwefel schon dämlich genug. Hier geht es um viel mehr als nur eine chemische Substanz.
So sind bei Nicolas Joly auf dem Tisch direkt und offen die Angabe der Analysewerte zu lesen. Und dessen Werte für Weißwein sind schon phänomenal, wenn auch nicht so außergewöhnlich.
Jeder Winzer hat in der Hinsicht seine eigenen Methoden um zu entscheiden, ob, wann, wie oft und wie viel Schwefel eingesetzt wird. So kann es in guten Jahren tatsächlich selbst bei Weißweinen dazu kommen, dass überhaupt kein Schwefel benutzt wird.
Die Geschichten, die sich um dessen Einsatz ranken kamen auch immer wieder zur Sprache. Aber die meisten Behauptungen, wenn nicht alle sind völliger Blödsinn. Stabilisation ist nicht nötig, wenn man sauber arbeitet, die Reben gesund sind und die Fermentation zu einem natürlichen Ende kommt. In manchen Jahren sind allerdings die klimatischen Verläufe nicht gerade ideal und das Risiko, den Schwefel auch dann komplett weg zu lassen, kann den Totalausfall bewirken. Das sich mit Schwefel eine besser strukturierte Aromatik entwickelt ist ebenso schwachsinnig.
Interessant war auch, von mehreren Winzern die Geschichte die ich schon oft erwähnt habe bestätigt bekommen zu haben, dass auch sie in den letzten Jahren mit den indigenen Hefen Weine mit mehr als 16 Alkoholprozent und „völligem“ Zuckerabbau zustande gebracht haben. Natürlich ist das nicht das Ziel, aber es zeigt eindeutig welche irren Behauptungen von konventionellen Winzern verbreitet werden, die das rigoros als Ammenmärchen darstellen und biochemisch einfach für nicht möglich erklären. An all diese : Leute sucht euch einen anderen Beruf!
Preise. Natürlich immer ein Punkt. Für die Winzer geht es ums Überleben und irgendwie muss er auf den Geldbetrag kommen, der ihn alle Rechnungen bezahlen lässt. An diesem Thema zeigt sich wenn man sich tiefer gehend damit beschäftigt, dass es keinen einfachen Zusammenhang zwischen Arbeitsaufwand, Investition, Qualität und Nachfrage gibt. Viel mehr Faktoren, die nicht gemessen werden können und psychologisch begründet sind da mitentscheidend. Die Preise sind in Relation zum Aufwand, Risiko und dem Vergleich mit „normalen“ Weinen viel zu niedrig. Bei einigen eher nicht, ohne noch einmal Leroy zu nennen. Da ist eher die Frage ob diese Preise gerechtfertigt sind. Sobald man in diese Diskussion einsteigt, zeigt sich schnell, dass rein technisch-ökonomische Faktoren nicht wirklich Preise erklären können. Vorsicht auch mit allen Behauptungen, es gäbe so etwas wie für alle Weine fast gleiche maximale Produktionskosten. Natürlich gibt es das, aber eben nur für genau einen präzise definierten Wein. In einigen Blogs tauchen des Öfteren Preise von 4-6 Euro für einen „guten“ Wein auf. Danach wäre alles Marketing. Blödsinn.
Nach vielem probieren und vergleichen und sich für den Wein Zeit nehmen generalisiere ich heute so : unter 10 Euro kein wirklicher Spaß im Glas. Das ewige Preis/Leistungs Relationsgerede anzustimmen nutzt dann auch nichts. Entweder habe ich Spaß am Wein oder daran, dass er wenigstens billig war. Selbst bei bis zu 20 Euro sind die Spaßmacher nur durch viel suchen und mit Glück zu finden. Danach wachsen die Chancen. Allerdings ohne Garantie. Es schleichen sich nämlich die etwas hoch angesetzten Weine ein, die einem den Spaß verderben können und zu Behauptungen führen, „da gibt es für weniger Geld aber was Besseres“. Stimmt dann auch. Ein schlechter 30er kann natürlich von einem guten 15er übertrumpft werden, aber einen guten 30er mit einem guten 15er ernsthaft vergleichen zu wollen, ist waghalsig. Danach fängt es dann an, aberwitzig zu werden. Ist ein 60 Euro teurer nochmal besser? Doppelt so gut?

Nun noch kurz meine Favoriten :
Die Domaine Francuska Vinarija, die aus welchen Gründen auch immer im Programmheft der Renaissanceveranstaltung nicht auftaucht. Sie wurde vergessen – ist aber bemerkenswert.
Ein Pärchen aus Frankreich hat in einer kleine Gemeinde in Serbien ein Weingut aufgebaut. Die uralten Dorfbewohner sind eingespannt und arbeiten dort mit. Und es gibt erstaunliche Weine zu kosten. Gamay wie eine Mischung aus dem besten Beaujoulais und Burgund. Chardonnay fett fruchtig.
Er war Begründer des G.E.S.T und jahrelanger Berater auf Weingütern die auf Bio umgestellt haben. Sie hat auf namhaften Gütern im Burgund und anderswo gearbeitet. Tolle neue Variationen von bekannten Trauben. Daneben noch Trauben wie : gamay “manchot“ à petits grains, Riesling, graševina (= welschriesling autrichien), vranac, Primitivo, cabernet sauvignon, Chardonnay, frankovka (= blaufränkisch autrichien), zaćinjak (= “épices”), procupac, le burgundac (pinot noir), le tamjanika (eine Variante vom Muscat blanc à petits grains).

Renaissance_Francuska_1

Die andere Überraschung war ein Winzer aus Mentou-Salon. Weiße die komplex mit viel Frucht und feiner Säure daher kommen. Präzise und sauber, lang anhaltend.
Domaine PhilippeGilbert. Nur einige Kilometer vom Sancerre entfernt, erstaunt er mit elegant-komplexen, denen zum Glück die etwas höhere Säure der Sancerres fehlt.
Die Sauvignons und Pinots hier sollte man sich auf jeden Fall genauer ansehen.

Pey_Labrie_Philippe_1Pey_Labrie_Mentou

Obwohl es mir widerstrebt weil es in Deutschland seit einem Jahr Mode wird. Bisher konnte ich das nicht nachvollziehen konnte mich im Espace aber dem Zauber der Casa de Mouraz erlag ich schon beim ersten Glas. Dazu dann noch die Überraschung dort in Portugal so etwas wie eine gemischter Satz zu finden ist. Wie in Franken, alle schön gemischt auf einer Parzelle und uralt. Zum Teil Stöcke von mehr als 100 Jahren. Die Weißen sind genau definiert und und haben Parfüm, Geschmack und Abgang. Gut das gerade von einem alten Kölner Bekannten die Meldung kam, dass er nach Galicien ausgewandert ist. Die Domaine liegt im Norden Portugals und das ist von Galicia nicht weit weg. Eine tolle Sache für einen Urlaub.

Renaissance_Portugal_1Renaissance_Portugal_2

Und natürlich Anna!

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Vielleicht hat mich ihr Charme verzaubert und ich bin der absolut falsche um ihre Weine einzuschätzen. Aber mein Eindruck war : durch die Bank sind das sichere Wetten. So kennt man das nicht und kann neue Reize entdecken. Weine die nicht langweilig werden und für den gezielten Einsatz geeignet sind. Eigenständig und Eigenartig.
Grecanico, Carricante, Riesling, Nerello Mascalese, kleine Ernteerträge, zum Teil in Amphoren ausgebaut. Diese Weine vermitteln immer so etwas wie den Reiz um die Ecke zu sehen. Immer tauchen kleine Anzeichen von Nebentönen auf, die einen weiterleiten. Die sind alles andere als unisono Langeweiler.

Pey_Labrie_Anna_4Pey_Labrie_Anna_6

Auch wenn ich schlussendlich weder Angelina, noch Aurélia umarmen konnte, so war Anna doch tatsächlich für einige Momente mit ihrem Lachen Teil eines erstaunlichen Wochenendes. Und Stefano, den ich vielleicht nur dieses eine Mal im Leben leibhaftig erleben konnte, hat die zwei Tage zu etwas unvergesslichem gemacht.

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