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13. Februar 2019 – 7:55

Terre Exotique wurde von dem Franzosen Erwann de Kerros aus Rochecarbon am Ufern der Loire gegründet.

Terre Exotique bietet ein großes Sortiment an originellen und gastronomisch kreativen Gewürzen von hoher Qualität. Die hocharomatischen Kompositionen werden noch von Hand geröstet, gemahlen, gemischt und verpackt.
Dieser Koffer « Reise in die Welt der Pfeffer » beinhaltet …

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Schleichende Kriminalisierung – Salon du Vin naturel – Albi 2013

Eingereicht on 24. April 2013 – 0:39

Vin naturel goes City. Die Winzer um terresdegaillac haben sich bis ins Epizentrum von Albi, mitten ins Weltkulturerbe katapultiert und machen vier Tage große Show. Eine große Konferenz, die sich von Freitag bis Montag mit allen möglichen Themen beschäftig. Über 2000 Jahre Geschichtsrückblick bis hin in den Mikrokosmos biodynamischer Mikrobenzucht in vergrabenen Kuhhörnern. Vom modernen Sein der Neuzeitsommelliers bis hin zur Schwergwichtigkeit toller Etiketten. Volles Programm mit Beteiligung von Ökonomen, Philosophen, Antroposophen, Schluckspechten und sehr wissbegierigen Konsumenten. Als treibende Kraft stellt sich immer mehr Laurent Cazottes dar. Mit unermüdlicher Kleinstarbeit und ewigem Lächeln saust er von einer Ecke zur anderen und beweist, dass Männer doch auch mehr als nur eine Sache auf einmal machen können.
Plakat
Nebenbei präsentiert er natürlich auch noch seine 2012er Abfüllungen.
Die nächsten drei vier Absätze sind wieder einmal sehr polemisch, sollen aber auch mal klar stellen, dass meine unumschränkte Vorliebe für Bio und naturel, auch Grenzen hat. Und unken liegt mir sehr. Leider hat sich in den letzten 20 Jahren aber auch Vieles bewahrheitet. Wer’s nicht lesen will fängt einfach nach der übernächsten Linie wieder an.
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Was ist das denn mit der Kriminalisierung? Seien wir doch mal ehrlich, soweit hat es ja auch ein bekannter Bayer durch eine Selbsanzeige geschafft, und zählen einmal auf, wieviele von den auf unseren Festplatten installierten Programmen nicht gekauft sind. Ah die glücklichen Opensourceler! Oder wie wäre es mit schwarzkopierten Filmen oder CD’s die wir bei einem Bekannten noch schnell abgeholt haben und dabei in der verkehrsberuhigten Zone mit 55 unterwegs waren, weil ja zu der Zeit sowieso keiner draußen unterwegs war oder an der Stelle, die 30er Zone echt unsinnig ist. Dabei waren doch bestimmt auch mindestens drei Ampeln auf dunkelgelb. Bremsweg wäre einfach zu lang gewesen und es war auch niemand zu sehen.
Steuerflucht mit dem wohlverdienten Geld, das man durch den Titel, der dann oft nicht auf eigenem Mist gewachsen war, aber gerechterweise (weil man ja soviel Verantwortung trägt) verdienen konnte, wird durch späte Einsicht ja nicht wirklich zu einer Art Absolution führen. Aber so abgebrüht wie man bisher war, kann man mangels Gewissen wohl gut damit leben. Das alles wird heutzutage ja nun bagatellisiert. Selbst vom Gesetz. Vielleicht passt das auch garnicht mehr in die moderne Zeit. Die Regeln sagen da zwar was anderes, aber vielleicht sind die ja auch nicht mehr zeitgerecht und unser „gesunder“ Menschenverstand sagt uns ja auch, dass das alles Kinkerlitzschen sind, Peanuts. Und dieses Manko an Rechtsgefühl zieht wegen seiner rasanten Verbreitung auch und mächtig in benachbarten Gebieten von Vin naturel Einzug : EU-Bio. Je mehr sich die Skandale häufen, desto weniger wird das an die große Glocke gehangen. Und dabei gibt es dort ja eine, wenn auch unklare Gesetzgebung. Nun ist der Bereich Vin naturel wegen Ermangelung einer, wodurch auch immer bindenden Regelung, noch viel anfälliger für solch schleichende Aufweichung und Infiltration suspekter Subjekte. Dies hat sich auch hier auf dem Salon gezeigt. Auf einem Salon, der vielleicht von der Güte, mit dem der Dive Bouteille zu vergleichen ist. Es sind die kleinen Zeichen auf die man achten muss. Domainen mit 120 ha und Etiketten für den Supermarkt oder gut bestückte Weinhandlungen mit Fachpersonal. Das sind erste Anbiederungen an eine Klientel, die meist nicht versteht worum es geht. Weine mit schwachen oder auch stärkeren Reduktionsnoten werden von den Winzern angeboten mit dem Argument, dass manche Kunden das nicht mitkriegen. Oder Preise, die vielleicht dem vermeintlichen innerseelichen Aufwand entsprechen, aber der Qualität nicht wirklich nahe kommen. Auch hier könnte man mit einer laxeren Einstellung meinen, das alles seinen Grund und seine Berechtigung hat. Ist ja sowieso alles subjektiv und jeder kann ja wie er will. Mir geht das gegen den Strich und ich sehe das als Anfang einer kompletten Verrohung und Desensibilisierung für eine soziale Gesellschaft an. Und gerade im Bereich Vin naturel, wo ja eine umfassende und gesamtheitliche Sicht der Gesellschaft, Umwelt und Verantwortlichkeit stark propagiert wird, sollte man beim Auftauchen skurriler Phänome aufmerksam sein und schnell reagieren.
Auch innerhalb des kleinen strikten Zirkels der Gruppe terresdegaillac stehen größere Umstrukturierungen an. So ist die Domaine d’Escausses gerade auf Abschiedstournee und wird die Gruppe verlassen müssen. Die Geduld ist übersterpaziert weil Jean Marc den unbedingten Willen, komplett umzustellen, vermissen läßt. Auch die Domaine du Moulin steht unter Beschuss. Dort ist Nicolas ernste Bemühung noch der Grund, den Trennstrich noch nicht zu ziehen.
Und ich hatte ja schon berichtet, wie geschockt Plageoles vom Salon in London zurück gekommen war, weil sich dort massiv Trittbrettfahrer einschleichen, um ein Stück vom Kuchen abzukriegen.
Natürlich ist all das nicht kriminell. Aber die anfängliche Duldung oder das Nicht-drüber-reden führt nur zum Ausloten tieferer Grauzonen. Und irgendwann ist dann ein Punkt erreicht, wo es echt schwierig wird zu zeigen, wie es eigentlich anfänglich mal gedacht war und wie es dazu kommen konnte. Die 18-jährige Geschichte von EU-Bio zeigt das exemplarisch.
Das es anders geht, zeigt mal wieder der Präsident. Michel Isally wartet nicht lange bis man selber drauf kommt, dass der präsentierte Combes d’Aves von 2008 frisch geöffnet keine reine Freude ist. Er klärt schon ungefragt beim Einschenken aus der Karaffe auf, dass der Wein deswegen seit einem Tag dekantiert ist. So sollte Transparenz eigentlich funktionieren.
Genug davon – wenden wir uns dem Salon zu.
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Ich will dieses Jahr einmal die einzelen Weinbeschreibungen sein lassen und die Aufmerksamkeit auf Allgemeineres lenken. Abenteuer und Entdeckungsfreude sind ja mit unser Anliegen. Gerade bei den Vin naturel, kann es nicht um DEN Wein gehen. Dieses Produkt ist dermaßen lebendig, dass Beschreibungen meist nur eine kurze Momentaufnahme sind und nicht wirklich weiter führen. Wer einmal den Winzer seiner Wahl gefunden hat, weil sein Stil und seine Weine Spaß machen, geht automatisch mit den Weinen auf Abenteuerreise. Während des Jahres oder der Jahre entwickeln sich immer neue Nuancen und der nächste Jahrgang wird meist mit Spannung erwartet. Welch gähnende Langeweile ergreift einen da bei normalen Weinen. Oder bei den meisten Überseegesöffen. Technisch perfekt getrimmt und mit Sensationen versetzt dümmpeln die so dahin. Konstanz der besonderen Art. Wer bei solchen Weinen von Reife durch Lagerung spricht, bringt mich ja echt zum Weinen.
Vin naturel läßt einen auch Vorurteile abbauen. Bei mir ist es immer so ein Ding mit Grenache oder Beaujolais Gamay’s. Der eine zu ruppig-sauer und der andere zu wässrig-schlapp. Dann kommt mal so eine Domaine wie Gramenon daher und stellt da Flaschen hin vor denen man Kniefälle macht. Dieses Jahr war es die Probe aufs Exempel. Letztes Jahr schon zum Umfallen, sind auch die neuen Jahrgänge und mitgebrachten Sorten zum Verlieben. Das soll Cotes du Rhone sein? Das soll Grenache sein? Jetzt nicht damit kommen, dass ich da bisher nur Pech und schlechte vorgesetzt bekommen hatte. Auch Hochgelobte konnten mir meist nur ein „joh – nett“ entlocken. Bei Gramenon wird jetzt jedenfalls alles in Gang gesetzt, um die nach Köln zu kriegen.
Domaine Lapierre ist vielleicht bekannt. Auf seiner Seite findet man allerdings nicht, was er hier dabei hatte. Château Cambon – kleiner Preis (na ja) und auch „nur“ Gamay. Auch das muss her.
So Weine kratzen immer an der Referenz, bzw. lassen einen denken, „den muss mal erst jemand toppen“. Besonders, wenn man bisher dachte, die Traube und das Gebiet kann einen nicht wirklich weich kriegen. Falsch gedacht.
Konstant konnte auch mal wieder Christine Dupuy punkten. Die Roten vom Feinsten und der inoffizielle 12er Pacherenc ein explosives Bündel aus kleinem und großem Manseng.
Sowieso waren die weißen Sorten die größte Überraschung auf dem Salon. Die Jurançons von Larredya, die wahnsinnig guten Chenin von Mosse aus dem Anjou,
Domaine Mosse
der orange-wine aus dem Corbieres von Magnon und der Viognier von Gramenon. Das sind große Weine die einen schnell wehmütig werden lassen wenn die letzten Flaschen aus dem Weinregal verschwinden. Und natürlich muss der „Vain de Rû“ von Dominique Andrian erwähnt werden. Eine Wundertüte, die einem die Überraschungen um die Ohren haut. Der Wein passt zu ihm. Er hatte auch mal wieder eine seiner skurrilen Geschichten auf Lager. Der Montis régalis, ein reiner Chardonnay, der durch keine Prüfung käme. Er selber vertut sich immer, wenn er ihn sucht, weil er so untypisch ist, dass er jedesmal den Tank verwechselt und sich wundert, dass das Chardonnay sein soll. Auch hier muss man Vorurteile überwinden. Natürlich gibt es sowas wie einen genormten Chardonnaycharakter, aber was solls, Vin naturel werden manchmal so und manchmal so und haben nichts mit Norm zu tun. Das Endergebniss steht für sich und wie in diesem Fall steht man dann baff da und freut sich.
Gerade bei ihm zeigt sich auch wie Spontanvergährung und Spontanentscheidung miteinander verquickt sind. Er meint, dass sich das Spontane der Vergährung auch in der spontanen Entscheidung des Winzers widerspiegelt. Je nachdem wird entschieden, was zu welchem Zeitpunkt gemacht wird. Eine Art emphatischer Entscheidungsprozess der dem Winzer wohl nur möglich ist, wenn er mit seinem Gut eine Einheit bildet. So gibt es dann Überraschngen ohne Ende und er lacht nur, wenn ich ihn frage, wie denn da die Händler reagieren, wenn der Wein einmal so und ein andermal so ankommt. So verwundert es auch nicht, wenn sein Spitzengeschoss – der „Pissenlits“ – auch nicht das ist, was er sein sollte. Ein Vin de Voile aus 100 % Chardonnay aus dem Jahre 2005 – abgefüllt 2013.
Pissenlits
So ein Ding sollte eigentlich keinen Restzucker mehr haben. Der hier hat aber noch 15g und keiner kann erklären wieso. Die Hefe ist mindestens 2 mal rauf und runter im Fass und sollte jedes Milligramm Zucker zerlegt haben. Was heraus gekommen ist, ist ein Hammerteil mit reiner Walnuss, mit ein wenig gutem Buchweizenhonig in der Nase. Rund, elegant, weich, füllig. Dann die Mischung zwischen Restzucker, Säure, Oxydation und diesen butterweichen Aromen. Normal sind für derart Wein nur 6 Jahre Reifung vorgesehen. Wie gesagt, wer Überraschungen mag, der ist bei Dominique gut aufgehoben.
Zum Thema völlig überteuert aber nett noch der Banyuls. Handgeblasene Unikatflasche, versiegellackter Korken und teuer. 60 Euro die Flasche mag ja für diese roten süßen Dinger gang und gäbe sein, aber da kaufe ich mir lieber eine kleine Vase aus Muranoglas ohne was drin.
Von „unseren“ Gaillacwinzern sind besonders Rhodes und Stéphane Lucas’ Champ d’Orphée aufgefallen. Die Roten 11er Jahgänge bestätigten wieder einmal, dass das Jahr für die Roten etwas Besonderes war. Sie werden im Juni nach Köln kommen. Auch der kleine neue Rote von Stéphane als 12er Jahrgang ist auf dem Weg. Er hat auf seinen Streif- und Kontrollzügen im Gaillac ein neues Feld entdeckt und angekauft. Es liegt in der Nähe von Moulins Braucol für den Florentin. Auch ein reiner Braucol und eine Überraschung für den Preis. Freut euch auf die nächsten Proben in Köln.
Zu guter letzt gabs dann auch noch nach dem Salon eine abendliche Veranstaltung im alten Theater von Albi. Musik zu Wein, Tapas zu Wein, Gespräche, spätere Zwiebelsuppe im „Pre en bulle“ und ein bemerkenswerter Film : „L’Esprit du Vin – Le réveil des terroirs“. Gemacht von Olympe und Yvon Minvielle. Mehr zu erfahren auf „http://www.lespritduvin.org“. Ein 90 minütiger Überblick über die wesentlichen Grundzüge biodynamischen Anbaus und der gesamtheitlichen Zusammenhängen bis in zwischenmenschliche Bereiche hinein. Sehr empfehlenswert.
Noch ein paar Flaschen zur Ansicht damit man sie später mal in Köln wiedererkennen kann.

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