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4/5 Von Menschen und Weinen und zum Thema "Vin Naturel".

Eingereicht on 21. April 2012 – 20:01

Wir betreten mit dem Thema „Vin Naturel“ zwar kein Neuland, aber ganz klar muss gesagt werden, dass bis heute – und eventuell muss man zum Glück sagen – keine verbindliche oder offizielle Richtlinie darüber besteht die genau definiert, was das denn eigentlich sein soll. Somit ist es für mich naheliegend, zuerst einmal mit denjenigen zu sprechen, die solche Weine anbieten und produzieren.
Die auf dem Salon anwesenden Winzer sind innerhalb der im Internet zu findenden themenbezogenen Seiten meist als führende Vertreter zu finden und selbst im weiteren Umfeld als Spitzenwinzer ihrer Regionen beschrieben. Ihre Aussagen geben vielleicht erste Ansatzpunkte für weitere Überlegungen oder könnten zumindest zeigen mit welchen Themen man zu rechnen hat, wenn man sich näher damit befassen will. Die hier aufgeführten Aussagen sind nicht uniform, weisen aber in eine bestimmte Richtung.
Vor den Interviewzusammenfassungen erst einmal einige Bilder :


Jean-Baptiste Senat kommt direkt auf den Punkt und verweist zuerst einmal auf die schon irre führende Wortwahl. Wenn man eine Traube sich selbst und der Natur überlässt kommt Essig heraus. Wenn wir also von Wein sprechen der mit dem Wort naturel verbunden wird, kommt sofort Be- und Verarbeitung ins Spiel.
Für ihn heißt das zuerst einmal, keine künstlichen Produkte ein zu setzen und dann nicht so sehr viel Wert auf das Wie sondern auf das Was zu legen. Zu künstlichen Produkten gehört demnach auch eine technisch-mikroelektronische Leitung des Fermentationsprozesses. Ihm geht es um handwerklichen Wein (Vin artisanal) der die Eigenart der Region in Bezug auf Klima und Rebsorten widerspiegelt. Das führt zu eigenständigen Weinen die nicht unbedingt eingängig sind. Aber wenn man sich in die Schlacht um Mengen und uniformierten Wein begibt steht man im Vorhinein schon auf verlorenem Posten.
Die Grenzen, wo nun wirklich „Vin naturel“ anfängt und wo er aufhört sind genausowenig klar, wie die Grenze von einem reinen Chemieprodukt und dem was heute zum Teil als Wein angeboten wird.
Diese Grenze ist auch bei Maxim François Laurent von der Domaine Gramenon nur persönlich definierbar. Seit 1979 wird dort von der Familie, ohne Bio deklariert zu sein, ohne Chemie gearbeitet. Die Felder sind seitdem nicht mehr behandelt worden. Das heißt nicht, dass prinzipenreiterisch alles abgelehnt wird. Wenn es droht zu eskalieren, wird auch Schwefel eingesetzt. Verblüffend ist hier, dass der Schwefel da schon als greuelhaftes Extrem angesehen wird. Anders herum verweist das schon auch darauf, dass Schwefel möglichst nicht benutzt wird.
Für ihn ist wie bei Senat wichtig was hinten heraus kommt. Wenn der Wein dann moussiert ist das zuerst einmal überhaupt kein Makel weil er hervorragend sein kann. Wenn der Wein etwas trüb ist und nicht in funkelnsten Farben brilliert, mindert das die Qualität auch nicht unbedingt.
Christian Roche von der Domaine de l’Ancienne Cure der sein Gut auf vollständig auf Bio umgestellt hat, beginnt wie bei Senat die Arbeit im Weinfeld und nicht im Cave. Für ihn ist Biodiversität und Pflanzennachbarschaft ein entscheidender Punkt sowie der Verzicht auf sämtlichen chemischen Produkte. Vin naturel sei für ihn eine Weiterführung vom biologischen Anbau.
Alle Arbeit sollte nicht von terminlichen oder technischen Bedingungen bestimmt werden, sondern nur von den einzig sinnvollen bei der Arbeit mit der Natur : dem Zustand der Pflanzen. Sie bestimmen, wann was zu tun ist. Und das bis in die Verarbeitung hinein. Die in dem Jahr zustande gekommenen Charakteristika der Pflanzen sollten sich im Wein nachher spiegeln und nachvollziehbar sein.
Darin stimmt auch Stéphane Lucas ein. Bedeutend ist ein natürliches Gleichgewicht und die natürlichen Selbstregulationen. Genauso wie bei Kindern kann es nicht darum gehen, ihnen etwas aufzudrücken sondern sie ihrem Charakter entsprechend zu fördern. Jeglicher Einsatz von künstlichen Mitteln wird abgelehnt soweit es möglich ist.
Stéphane sieht darin auch die Möglichkeit von Unterwanderung von der normalen Weinindustrie die sich auch in schillernden Worten so beschreiben kann. Minimalster Einsatz, was heißt das? Förderung natürlicher Eingenschaften ist auch so beworben bei gentechnischer Hefe. Er sieht aber auch nicht die Verhinderung dessen in der Einführung von fixierten Richtlinien. Dafür ist die EU-Richtlinie zum biologischen Anbau ja das beste Beispiel. Sie ist mittlerweile ja durch die normale Lebensmittelindustrie völlig ausgehöhlt worden.
Er hält eine starke persönliche Verbindung zu ethischen Gesichtspunkten als Kontrollinstrument für erheblich effektiver.
Diese kämpferisch-misstrauische Stimmung gegenüber den EU-Richtlinien findet man auch bei Dominique Andrian und erzählt von der auch bei fixierten Richtlinien vorkommenden Unsinnigkeiten selbst bei konsequenteren Anbauverbänden wie Nature et Progres. Dort gibt es das Verbot von Agglomeratkorken, selbst wenn sie mit zugelassenen Klebern produziert wurden. Das ist für ihn ein Beispiel warum Richtlinien nicht wirklich Probleme lösen können. Alle Richtlinien müssen kontrolliert werden, die Kontrollen müssten kontrolliert werden und die Richtlinien selber können nie allen Gegebenheiten Rechnung tragen. Letztendlich bleibt für ihn auch wie fürStéphane Lucas die innerste eigene Überzeugung das einzig wirkende Kontrollinstrument. Bei der Arbeit eine Abneigung gegen die Benutzung zusätzlicher Produkte und Techniken zu spüren, die einem ins Gewissen redet und mit jedem Handschlag die Arbeit vermiest.
Christine Dupuy fasst eigentlich schon ein kleines Resümee zusammen : so wenig wie möglich künstlich hinzufügen, möglichst kein Schwefel, und das Hauptaugenmerk auf die Arbeit auf dem Feld zu legen, um nachher im Cave zu versuchen, eine saubere Entwicklung dessen zu ermöglichen, was die Trauben in diesem Jahr unter diesen Bedingungen entwickelt haben. Auch sie sieht Probleme bei den Bestimmungen der EU-Bio-Richtlinien, die zu viele Möglichkeiten von Zusätzen bei der Verarbeitung der Traubenzulassen.
Das es anders geht zeigen nicht nur die in Albi ausstellenden Winzer. BÉNÉDICTE HUBAU aus dem Bordeaux kennt das Gebiet und die Spitzengüter in und auswendig aus erster Hand. Er schätzt das 20-30% der renommierten Grand Cru Domainen ohne darüber zu reden, biologisch arbeiten. Dagegen wären 85-95% aller produzierten Weine im Sinne von Vin naturel nicht „sauber“ . Sein Schlagwort ist Respekt. Respekt dem Wein gegenüber als auch sich selber als Handlanger des Weins. Es ist nicht das Wort, dass den Unterschied macht, sondern die konkrete Arbeit.
Bleiben noch unsere auf dem Salon anwesenden Winzer die der Assoziation „terres de gaillac“ angehören. Sie Haben sich auf eine Charta geeinigt, die ständig neu diskutiert wird. Alle sind sich in einem einig . Wenn einem etwas an seinen Kindern liegt, sollte man alles tun um ihnen eine Welt zu hinterlassen, die gesund und integer ist. Dazu gehört, die Umwelt in allen Belangen zu respektieren und zu schützen. Die Charta wird demnächst auf der Internetseite von gaillac et voisins zum Download bereit gestellt.
Diese Kommentare, Aussagen und Stellungnahmen geben einen kleinen Überblick über die Lage. Wer von Vin naturel spricht, kann sich nicht auf einen Punkt beziehen der allgemein festgelegt ist. Hier erscheinen zuerst einmal Eckpunkte die so zusammengefasst werden können :
Die Winzer, die ernsthaft Vin naturel herstellen wollen, sind geprägt von einem tiefsten inneren Bedürfnis, das sich in ihrer Arbeit widerspiegelt. Respekt vor der Umwelt und eine große Verantwortung den nachfolgenden Generationen gegenüber. Grundlegend und schon fast nicht mehr angesprochen weil es selbstverständlich und grundlegend ist ,ist die Fermentation mit der auf den Trauben natürlich gebildeten Hefe. Diese indogene Hefe bildet sich aber nur in ausreichendem und benutzbarem Maße, wenn sich das Feld in einem natürlichen Gleichgewicht befindet. Jede künstliche Einmischung durch Chemie zerstört dieses Gleichgewicht. Danach werden Zusätze jeglicher Art grundlegend abgelehnt. Dazu gehört auch der Schwefel, der mehrere Funktionen während des gesamten Jahres spielt. Sowohl als Schutzmaßnahme gegen Mehltau, als auch alsUnterbrecher der Fermentation und Stabilisator. Dies ist aber, wie es einige Vorreiter zeigen, nicht nötig, wenn wirklich ein Gleichgewicht innerhalb des gesamten Ökosystems Weinfeld besteht. Die Hefen sind in der Lage selbst 17 Alkoholprozent zu produzieren, den Restzucker bis auf 0.1-0.2 g/L um zu setzen, und damit die Fermentation auf natürliche Weise zu beenden, sowie Weine zu ermöglichen, die damit auch genug Stabilität erreichen um Jahre zu lagern, da keine spontane Fermentation mehr einsetzen kann.
Alle Winzer mit denen ich bisher gesprochen habe geben das als eines der vorrangigen Ziele an.
Ein anderer wichtiger Gesichtspunkt ist der Mut, sich einem allgemeinen Fehlurteil gegenüber zu stellen. Wein ist ein lebendes Produkt. Damit ist Veränderung zwingender Bestandteil des Weins. Einleuchtend ist, dass durch verschiedene Jahresverläufe die Traube eine andere Aromatik und andere Zuckerwerte produziert. Da einer der oft angesprochenen Punkte der Erhalt der Charakteristika von Terroir, Jahr und Rebsorte und dessen Alter ist, ist zwingend, dass ein Wein in Jahr X anders schmeckt als eine Wein in Jahr Y. Das macht Vielen Schwierigkeiten. Ich will nicht schon wieder unseren altbekannten QVY anführen, aber er zeigt genau das, was Maxim François Laurent sagt. Ein moussiernder Wein ist nicht automatisch schlecht. Also jedes Jahr den denselben Wein zu erwarten, ist bei diesen Winzern nicht möglich. Aber einen der gleichen Güte zu erwarten, kann man recht wohl.
Soviel als kleine erste Annäherung an den Begriff Vin naturel.
Es folgt noch eine kurze Betrachtung und ein Vergleich mit unseren Gaillacwinzern die dort auch vertreten waren und die Diskussion zu den heutigen Preisniveaus.
Danach steht hier im Gaillac die Vorbereitung des großen Concours am 14. Mai für die Medaillen 2012 und schon ein kleiner Bericht über die klimatische Entwicklung dieses Jahres an.

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