Es geht weiter. Wir müssen aus kalkulatorischen Gründen die bisherige Form der Käse-Wein-Proben bis auf weiteres ausfallen lassen. Für individuelle private Veranstaltungen können Sie Stéphane direkt kontaktieren. Er kann alle Details mit Ihnen absprechen. Ihr Gourmetschmiedeteam.
sureau 3

Aktuelles »

7. Juli 2017 – 13:45

Les sureaux sont des plantes herbacées voir des petits arbustes de quatre mètres de hauteur à fleurs blanches.

Den vollständigen Artikel lesen »
Einblicke - Idées

Erkenntisse - Decouvertes

Genuss in Balance - Plaisir et balance

Kleine konkrete Apetitthappen.

Videos

Kleine Impressionen über die Szene in der wir uns gerne bewegen und Reportagen die einen erschrecken können.

Verkostung - Dégustations

Einzelne Weine, ganze Salons und rare Stücke.

Kurz und bündig

Unsere Meinung zu einigen Themen oder Schlagworten - offen und knackig.

Home » Einblicke - Idées

Was solls – runter damit ! Aber mit Spaß ?

Eingereicht on 26. September 2014 – 23:18

Was solls – runter damit ! Aber mit Spaß ?

Hendrik Thoma wagt sich – wie es immer wieder mal in Bloggerkreisen passiert – an das Thema Billigwein. Das stimmt nicht so ganz, weil das schon einen Unterton hat, der die Weine direkt degradiert. Preiswert stimmt auch nicht, weil damit unterstellt wird, dass die Weine ihren Preis wert sind. Zwar wird in dem Bericht öfter versucht, eine solche Relation her zu stellen, aber da knarrt und wackelt es in allen Versuchen wenn man pingelig hinhört. (Teil 1 des Videos hier)
Belassen wir das Thema der Folge bei einem allgemeineren Begriff, wie Discounter- oder Supermarktweine, werden beide Perspektiven bedient. Denn diese Verkaufsräume stehen generell sowohl für billig, oder billiger als andere (in dem Fall wohl Fachhandel) und gleichzeitig wollen sie auch massiv in der Werbung den Eindruck vermitteln, tolle Qualität zu bieten, also ihren Preis wert zu sein.
Angesprochen wird auch ein Artikel der Zeitung „Die Welt“ in dem Zahlen des deutschen Weininstituts veröffentlicht werden. 2,84 Euro gibt der Deutsche im Durchschnitt für 1L !! Wein aus.
Natürlich kann man sich zuerst einmal fragen, wie die Zahlen erhoben wurden und bezweifeln. Es gibt doch Weine die Tausende kosten, oder zumindest doch viele, die 14 – 30 Euro kosten. Rechnen Sie mal aus Spaß wieviel noch billigeren Wein als 2,84 es braucht um eine verkaufte Flasche 300 Euro teuren Barolo aus zu gleichen. Auch die Zahlen zu den Verkaufsorten ist interessant. Lesen Sie eimal nach.
Die Konzentration auf diese Fokus verhindert aber die eigentlich skandalösen Implikationen dieses Massenmarktes. Besonders beim Wein sollte von verantwortlicher Stelle da mehr Sorgfalt walten. Aber vielleicht sind da ja auch durch andere Abhängigkeiten Leuten wie Master- oder Sommerliers die Hände, in dem Fall eher der Mund gebunden. Schließlich will man es sich ja mit eventuellen Auftraggebern auch nicht verderben. Dazu später mehr.
Zuerst einmal schauen wir uns kurz die feinsinnigen Kommentare zu den vier Weinen an. Ich verzichte hier auf die viel sagende Mimik während des Probierens einzugehen.
Nummer eins.
1,99 Euro für einen Prosecco. Schon hier entsteht ein seltsames Bild. Einerseits kommen Kommentare wie „kurz“, „schal“, „recht einfach“, „kommt nicht in Frage“, „langweilt“, „Bonbonwasser mit Alkohol“ andererseits aber auch „kann man viel von trinken“ auch wenn „der Schmerz später kommt“, „die meisten sind damit ganz happy“ und es ist ja auch einer für Leute ohne Ahnung. Der Wein lässt an den Weinskandal zurück denken, als mehr Menge verkauft wurde, als die Region hergab. Aber heute ist das strenger kontrolliert wird versichert und für den Preis in Ordnung und er bekommt 2 Punkte von 6.
Die Geschmacks-Kommentare nageln den Secco als Komplettausfall fest. Dann aber wird er unumwunden zum dekadenten Delliriumssaufen frei gegeben und man darf für den Preis auch nicht mehr erwarten.
Nummer zwei.
„kein ausladendes Bukett“, „rote säuerliche Frucht“, „ordentlich ohne Tiefe“, „ich würde ihn mir nicht kaufen wollen“, aber Bio für 3,99.
Ein Problem von solchen Weinen wird noch in der fehlenden Handschrift ausgemacht und dass man nicht erkennen kann was drin ist, oder wo er herkommt. Selbst die Etiketten geben da oft auch keine Auskunft. Also beliebiges Gesöff, bei dem man nicht weiß was drin ist.
Hier, wie beim Ersten wird heftig relativiert und so halten Kriterien wie „tut nicht weh“ den Wein im Spiel. Auch, wenn man daran keinen Spaß hätte.
Nummer drei.
„Nase nicht gut, nicht sauber“, „Fehlton und nur Holz, genauso schmeckt er“, „staubtrocken, kein Fruchtspiel“, „überparfümiert“, „flach“, „Manta“.
Alles sagt : „wieviel würdest Du bezahlen“ – „am Liebsten gar nichts“. Und das für 5,99 und großes Etikettenkino.
Nummer vier
Hier wird das komplette Arsenal an Verkäufersprüchen ausgepackt und es präsentiert sich ein Wein, der allerdings bei 4,99 doch die Frage aufkommen lässt, was denn da überhaupt drin sein kann. Das Ganze muss sich ja für alle Beteiligten von Produzent bis Endverkäufer rechnen können. Lustig wird’s dann allerdings wenn die Analogien zu Doktor Hipp, der mit seinem Namen bürgt angebracht werden. Eine alte Weinfamilie mit Tradition. Ja-Ja. Und auch noch trinkbar.

Was haben Sie für einen Eindruck?
Ist ihnen noch wohl dabei einen Wein zu trinken, der in solchen Mengen produziert wird? Sechshunderttausend Flaschen! Und das ist ja nicht der einzige Abnehmer für den Produzenten.
Hier geht es um Mengen. Nein – hier ist das untertrieben – unvorstellbare Massen! Um Flächen im Quadratkilometerbereich. Um Verträge, die vor der Produktion geschlossen wurden mit saftigen Strafen bei Nicht-Einhaltung. So kann es dazu kommen, dass wer durch ein schlechtes Jahr die Mengen nicht erreicht, wie, sagen wir einmal ein französischer Produzent aus dem Südwesten, (da war Hendrik noch während der Challengefolge), Rebsaft in Spanien einkauft und für seine Produktion nutzt. Alles erlaubt – solange auf dem Etikett nicht mehr „Vin de France“ steht. Jedem Produzenten in dem Bereich geht es vor allem um Menge. Der Ernteertrag darf nie gefährdet sein. Dafür wird alles getan. Besonders präventives Spritzen. Ob das nötig ist, bleibt ungeklärt, weil niemand, der in solchen Betrieben arbeitet Winzer und mit der Gegend oder dem Wein verbunden ist. Das sind Angestellte mit 8-Stundentag. Die Fachkräfte sind zwar spezialisiert und ausgebildet, aber das hat zum Beispiel nichts damit zu tun, die Wettervorgänge in der Gegend zu kennen. Da müsste eventuell gar nicht gespritzt werden, weil es morgen kalt bleibt. In dem Bereich wird ja auch von Weinindustrie gesprochen. Da ist jede Romantik schon im Keim erstickt.
Ich will jetzt einmal ganz böse sein und einiges Gesagte im Blog vergleichen mit Leuten, die einiges, was ein Österreicher im letzten Jahrhundert angestellt hat doch auch nicht für so schlecht halten. Wer mich kennt, weiß, dass ich jetzt in Rage bin. Warum?
Die nette Sommeliere ist doch tatsächlich bei einem Wein „gespannt“ auf das was kommen wird. Ich wäre ängstlich. Beide können doch als Weinfachleute nicht an dem Thema Massenweinherstellung, Pestizid- und Herbizidrückstände, den Statistiken über Chemieeinsatz im Weinbau und den modernen Herstellungsmethoden, vorbei schlendern und gerade mal in schnell dahin gehauchten Nebensätzen die Problematik andeuten. Der Hinweis, dass heutzutage Einstiegsweine nicht gleich -am nächsten Tag nicht zum Doktor müssen- heißt, versteht sich wohl als letztes Aufbäumen eines Gewissens.
„Ordentlich gemacht, aber oft behandelt“ weist doch auch auf ein Wissen um die Machart hin.
Lächerlich ist natürlich bei den Weinen überhaupt auf so etwas wie die Farbe zu gucken. So etwas hat das Labor doch längst im Griff. Und nicht nur die Farbe.
Die Empfehlung für Leute mit kleinem Portemonnaie, dass der Wein absolut in Ordnung ist für den Preis halte ich für bedenklich. Aber es wird ja auch von den Leuten gesprochen, die aus anderen Kreisen kommen und ahnungslos das Zeugs kaufen und wohl auch trinken. Das ist vielleicht ein gerechter Ausgleich.
Eigentlich ist der noch größere Skandal als der Umgang mit den ganzen Zusatzstoffen, der Mangel an Aufklärung, den laschen Bestimmungen und letzten Endes der sozialen Struktur. Natürlich zwingt man niemanden, den Wein zu kaufen, aber es wird auch nicht deutlich gemacht, was man sich damit antut. Leute mit Geld hätten ja zumindest noch die freie Wahl, sich anderen Wein zu kaufen. Leute ohne Geld nicht. Und wenn dann Wein zu einem Produkt wird, bei dem nur noch der Alkoholgehalt stimmen muss (viel mehr ist da ja nun auch nicht mehr drin), um in andere Stimmungen rein zu kommen und das in Menge gesoffen werden kann, ohne halt morgen – und die Betonung liegt auf morgen- zum Arzt zu müssen, dann reden wir hier nicht mehr von Genießen. Der Arztbesuch bleibt vielleicht morgen aus, und der Industrie ist eins ja sehr willkommen : das zähe Wesen des Menschen und die Unmöglichkeit nach Jahren einen Nachweis zu bringen, das der eine Wein den Krebs hervor gebracht hat und nicht der andere oder das neue Möbelstück aus Span, oder ……
Das macht jeden Versuch solche Weine zu bewerten zur Farce. Überhaupt muss sich Hendrik auch einmal Gedanken machen über sein Bewertungssystem. Nun sind 6 Punkte ja wahrlich keine große Spanne zwischen Gülle und Weltspitzenklasse zu unterscheiden, aber wenn ich dann wie in der Folge einem Unding von Wein 2 Pokale – oder gar 3 – gebe, dann aber Kommentare im Sinne von „da fangen bei mir aber schon ganz tolle Weine an“ kommen nach dem Versuch sogar 4 Pokale zu vergeben, dann fragt man sich doch sehr, wo denn da die differenzierenden Kriterien liegen und was denn dann alles in einen Topf geschmissen wird.
Aber auch Leute wie Parker mit einer 100 Punkteskala, die aber erst ab 50 genutzt wird müssen sich da hinterfragen lassen. Die gewaltigen Unterschiede innerhalb der letzten 15 Punkte sind doch völlig blödsinnig, wenn ich innerhalb der darunterliegenden 85 Punkte eigentlich Weine ansiedle, die es nicht lohnt zu trinken, dann nur 15 Punkte habe die aber nicht mehr ordentlich differenzieren.
Weitaus spannender als eventuell doch noch in solchen Weinen verborgene Spaßfaktoren zu finden, wäre doch einmal die Produktionsweisen aufs Korn zu nehmen und eine Relation her zu stellen von aufgewendeter Arbeit, Sorgfalt, Umweltverträglichkeit und Preisgestaltung.
Gerade im Bezug auf die Preisgestaltung und dem all zu oft gehörten Spruch von den geringen Margen in dem Bereich, erinnere ich noch einmal an meinen Kommentar im Rahmen der Weinrallay#62 Thema „5€ – die Grenze des guten Geschmacks?“ und Thorsten Goffins beschriebenen Wein „Tarani“ aus dem Gaillac. Hier zu finden.

Tags: , , ,

Kommentar schreiben

Latest Video Post

  • Termine
  • unsere Termine
  • Kurz und bündig
  • guter Wein
  • Lecker Wein
  • Sommeliers