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13. Februar 2019 – 7:55

Terre Exotique wurde von dem Franzosen Erwann de Kerros aus Rochecarbon am Ufern der Loire gegründet.

Terre Exotique bietet ein großes Sortiment an originellen und gastronomisch kreativen Gewürzen von hoher Qualität. Die hocharomatischen Kompositionen werden noch von Hand geröstet, gemahlen, gemischt und verpackt.
Dieser Koffer « Reise in die Welt der Pfeffer » beinhaltet …

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3/5 Witzbolde, Pi und alte Reben

Eingereicht on 20. April 2012 – 19:36

Steigen wir direkt ein bei einem gascogne’r Original und dem letzten Vertreter der hellen Weine. Dominique Andiran sorgte auf der Veranstaltung für heitere Stimmung. Wieder mal ein Winzer dem der Schalk im Nacken sitzt und der seine Weine eher veralbert als hoch lobt. Seine beiden Weißen waren eine große Überraschung nach all den netten Tropfen vorher. Es waren Mischungen von Colombier, Sauvignon rose, und Ugni blanc oder Chardonnay mit Ugni blanc. Sie waren hervorragend strukturiert und die fein herben oder fein würzigen Noten wurden von der mir bei der Veranstaltung angenehmsten Säure unterstützt. Immer frisch wirkend und die Aromen von Aprikose, Mandel, Mango hervorhebend.
Seinen Spitzenwein – eine Art Vin de Voile – zeigte schon beim ersten Schluck was die kleine Spielerei mit dem Namen soll. Ruminant – wiederkäuend. Und das fordert der Wein. Nicht als Arbeit, sondern als Vergnügen. Er bleibt fast drei Jahre auf der Maische und wird abgefüllt, sobald er bei einer Probe weniger als 5g Restzucker zeigt. Der Vorgestellte war eine 2007er und erweitert die Bandweite der oxidierten Weine noch einmal weiter in Richtung Frische und Frucht. Die Oxydationsnoten sind deutlich geringer und so beeindruckt er durch eine enorme frisch-saure Fruchtfülle der man gerne wiederkäuend nachläuft.
Kommen wir nun zu den Roten und fangen mit dem „Rackham“ einem Folle Noir von Laurent Cazottes an. Er bringt uns mit dem Wein die 31te Rebsorte in unsere Liste der im Gaillac angebauten Reben. Es ist eine Synonym für die Negrette und wie fast vermutet zeigt sie auch einen anderen Charakter als bei den Kollegen im Fronton. Sehr hell und süßlich in der Nase bringt er rote Johannisbeere mit Stachelbeere zusammen und im Finale einen Zug Herbe von Blättern. Für den kleinen Preis bekommt man einen soliden Wein in netter Flasche.
Zu den Preisen gibt es im Abschlussbericht mehr zu sagen.OT
Der Winzer aus dem Fronton, das Château Plaisance brachte mit seinem Alabet (et alors?) und dem „Tot Çò Que Cal“
zwei 100%ige Negrett auf den Tisch. Für mich wie Grenache und Syrah eine schwierige Traube. Richtiges Vergnügen kann man sich da manchmal nur einreden.Der „Tot ..“ war 18 Monate im Faß und seine Veilchen werden von viel Samt und Tannin begleitet. Sinngemäß übersetzt ergäbe der Name „Alles was Du willst“. Bei dem Wein würde ich noch „und mehr“ dazu setzen, auch mit dem Nebensinn von Übersteigert und einfach zuviel. Gut ist er allemal und für Freunde des Fronton eventuell ein Muß. Sein Kollege, der Alabets,kommt eingängiger daher, nähert sich aber mit seinen Säurewerten meiner Grenze und droht mir immer aufdringlich zu werden. Bei ihm sind die Veilchenpastillen auch sehr von Frucht überlagert.
Kommen wir zu einem Extrem, das noch nachprüfend unter die Lupe genommen werden muss. Chateau La Coste aus der Provence. Ein Gut mit 200 ha, verwaltet von Mathieu Cosse aus dem Cahors. Da kringeln sich bei mir wirklich die Haare und ich habe meine Probleme, da an Vin Naturel zu denken. 200ha sind 2 Quadratkilometer – für mich fängt da schon lange Monokultur an. Vielleicht war das auch ein Grund, warum Mathieu nicht selber da war und um unangenehmen Fragen aus dem Weg zu gehen oder zumindest nicht in Erklärungsnöte zu kommen. So standen also der Wein mehr oder weniger im Selbstbedienungsmodus dort und eine detaillierte Mappe lag daneben. Basierend auf Grenache mit Anteilen von Syrah und Cabernet war der Wein ordentlich, brachte aber außer einen Mischung von Herbe und Restsüße keine großen Aromen rüber.
Besser wurde es bei seinen eigenen Cahorsweinen. Ein 2004er Malbec brachte einem schöne Schwarzkirsche heftig und rau aber etwas unausgeglichen nahe. Der 2005er zeigte eher die für den Malbec (Cot) typischen Gewürze. Schöner mittlerer Pelz und für Freunde des Cahors schon einmal eine feine Sache. Der Spitzenrote von 2002 brachte schon in der Nase erste kleine Sensationen. Enorm dunkles Cassis, das sich im Mund zu schwarzer Lakritze weiterentwickelt. Der Abgang korrespondiert mit dem Randfarbschimmer, der schon leicht ins orange-braune übergeht. Es entwickelt sich ein fauler Kuhstall. Ein Wein der eventuell einzeln flaschenweise probiert echt nett sein könnte.
Aus dem Languedoc findet sich ein Appelation Pic Saint Loup ein. Die Domaine Clos Marie zeigt auch Grenache mit Syrah und man sollte ohne Vorwissen um die enormen Parkerbewertungen (z.T. weit über 90) und ohne die Preise zu kennen, daran gehen, die Weine zu probieren. Da Preise nicht etikettiert waren und Parker für mich ein No-Go ist musste ich nur mit meinem Vorurteil der Grenacherebe gegenüber aufpassen. Der „Olivette“ von 2010 entwickelt schnell einen feinen Pelz bevor überhaupt was anderes passiert. Dann entwickelt er sich sehr feinsinnig und kontrastiert sich mit einer heiteren Frucht die den Pelz vergessen lässt. Es entwickelt sich ein wunderschöner Abgang und ein lang anhaltendes Nachlaufen. Der „Simon“ von 2008 verführt zuerst dazu an Reduktion zu denken, aber er entwickelt einen geräucherten Schinken den man mögen kann. Frucht oder Gewürz hat es schwer sich hier durch zu setzen. Es war nicht meiner.
Elian da Ros ist eine Domaine aus dem Marmandais. Mit 21,4 ha auch schon eines der großen Güter nach unseren Maßstäben. Der Winzer war lange auf einem Spitzengut im Elsass und dort gelernt. Er hat die Domaine in miserablem Zustand übernommen und auf biodynamischen Anbau umgestellt. Nach den Proben des „Vin est un fete“, des „Chante coucou“ und des „Abouriou“ muss man leider eine Parallele zu unserem Winzer von der Domaine de Cailloutis sehen, der auch Jahre brauchte, um mit den Eigenarten der neuen Umgebung zurecht zu kommen. Die Weine von Elian da Ros sind heftig, rau und tanninlastig. Noch hat er sich anscheinend im Marmandais nicht eingelebt und eine gute Symbiose mit Land, Rebe, Klima und sich gefunden. Aber er ist ambitioniert und wird es, wenn man die betrachtet, auch schaffen.
Die Domaine von Agnès et Jean Foillard aus dem Morgon/Fleuri-Gebiet hatte vier Rote zu zeigen. Die Gebiete gehören zu den 10 Crus-Lagen im Beaujolais und das zeigt sich auch direkt. Das hat nichts mit dem zu tun, was man im Allgemeinen mit dem Beaujolais verbindet. Alle vier sind in sich stimmig und von hoher Finesse. Sie kommen weich und rund und zeigen sowohl florale als auch fruchtige Betonungen. Alle vier können unumwunden Empfehlungen sein weil sie nach dem kurzen Probeeindruck dazu verführen, sich auf eine ganze Flasche ein zu lassen. Nebenbei wird auch hier mit den Namensgebungen gespielt. Der „Cuvée 3,14“ mit dem griechischen Pi auf dem Etikett und den 21 Nachkommastellen regt zum Nachfragen und Nachdenken ein.
Auch die Weine von Gramenon sind unumwunden zu empfehlen. Er hatte ja am Samstag bei der Konferenz mit Robert Plageoles auch seinen „La Même“ am Start. Einen von 150 Jahre alten Rebstöcken stammenden Grenache. Hier konnte ich zum ersten mal ein absolutes Ja zu einem Grenache sagen. Die Deklaration „Vin de France“ ist die reine Farce. Vor dem Wein müssen sich wahrscheinlich 95% aller AGP-Weine verstecken. Leichte Früchte von Him- und Erdbeere, Kirsche, feines Zimt etwas Lavendel. Alles schwebt und wirkt luftig. Die von der Rebe und der Region bekannte weit verbreitete Ruppigkeit und die heftigen Tannine und Säuren, die oft mit Tonerdefilterungen geschönt werden, sind hier noch nicht einmal auch nur erahnbar. Herrlich, eine weitere Empfehlung und herzlichen Glückwunsch an den jungen Winzer.
In dieser Klasse spielt fast natürlich auch Christine Dupuy aus dem Madiran mit, die den von 150 Jahre alten „les préphylloxériques“ mit Roberrt vorgestellt hatte. Jeder der Tannat kennt muß sich bei diesem von alten Erfahrungen trennen. Samtweich, Cassis, Pfeffer. Rund entwickelt er sich und hält nachhaltig an. Wie ihre Weißen vom Allerfeinsten. Daneben sind ihre anderen Roten, ein reiner Tannat „Vieilles Vignes“ aus alten Barriques und ein „Tradition“ als Dreierverschnitt aus Tannat, Cabernet franc und Cabernet Savignon, aus demselben Holz geschnitzt. Beide können gut und gerne noch 10 Jahre liegen und reifen, sind aber jetzt schon ein pures Vergnügen. Der „Vieille Vigne“ kommt rund und weich mit wunderschöner Säure daher und entwickelt einen enormen Abgang. Schwarze Beeren, Röstaromen, und Gewürz. Der Tradition wirkt zuerst kalt was aber den frisch fruchtigen Ankängen gut steht. Tannine ohne Ende und ohne rau zu sein. Dafür, daß es kein Faßwein ist (Achtung im Internet sind Beschreibungen zu finden, die diesen Wein als Barriquewein kennzeichnen), bringt er eine feine Struktur und Wucht. Chapeau!
Soviel heute zu den roten Impressionen. Es folgt noch der Bericht mit den Interviews zum Thema Vin Naturel und dann eine kurzer Vergleich mit unseren Gaillacwinzern die auf dem Salon waren und den allgemeinen Preisrelationen. Dazu wird es eine kleine Fotogalerie geben, die ein wenig Leben in die Geschichte bringen wird.

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