Die Gourmetschmiede wünscht Ihnen ein frohes neues Jahr! Weiterhinsteht Ihnen für individuelle private Veranstaltungen Stéphane zur Verfügung. Bitte kontaktieren Sie ihn über seine Internetseite. Er kann alle Details mit Ihnen absprechen. Ihr Gourmetschmiedeteam.
Baie Sansho

Aktuelles »

13. Februar 2019 – 7:55

Terre Exotique wurde von dem Franzosen Erwann de Kerros aus Rochecarbon am Ufern der Loire gegründet.

Terre Exotique bietet ein großes Sortiment an originellen und gastronomisch kreativen Gewürzen von hoher Qualität. Die hocharomatischen Kompositionen werden noch von Hand geröstet, gemahlen, gemischt und verpackt.
Dieser Koffer « Reise in die Welt der Pfeffer » beinhaltet …

Den vollständigen Artikel lesen »
Einblicke - Idées

Erkenntisse - Decouvertes

Genuss in Balance - Plaisir et balance

Kleine konkrete Apetitthappen.

Videos

Kleine Impressionen über die Szene in der wir uns gerne bewegen und Reportagen die einen erschrecken können.

Verkostung - Dégustations

Einzelne Weine, ganze Salons und rare Stücke.

Kurz und bündig

Unsere Meinung zu einigen Themen oder Schlagworten - offen und knackig.

Home » Einblicke - Idées

Zum neuen Jahr : Zum Teufel mit den guten Vorsätzen

Eingereicht on 2. Januar 2014 – 13:57

Seinen wir doch mal ehrlich, wem gehen die zum Jahreswechsel krampfhaft ausgedachten Pläne fürs nächste Jahr nicht auf den Senkel?
Da sollen alte Übel einfach mal so endlich abgestellt werden. Die haben nur meist die penetrante Eigenschaft wie Kaugummi am Schuh, an einem zu kleben. Die wird man nicht so einfach und nur durch fromme Wünsche los. Wie viel tausend Jahre schleppt die Kirche schon verpönte Laster mit sich herum und wird sie nicht los? Ohne das Übel an der Wurzel zu packen, kann man solange beten und hoffen wie man will – da tut sich nichts.
Vielleicht sollte man sich das Anliegen aber auch noch einmal genauer ansehen und neu bewerten. Ist es wirklich immer erstrebenswert diese Fehler zu beseitigen und auszumerzen? Hier in unserem Fall haben wir zum Glück ja eher mit oeno- als mit pädophilen Tendenzen zu kämpfen. Da sollte eine kurze Betrachtung leichter fallen.
Immer wieder wird bei Weinbeschreibungen von Weinfehlern berichtet. Soll sich der Winzer da auch mehr vornehmen und all diese Fehlermöglichkeiten abstellen? Wir würden in einer Welt perfekten Weins leben und genießen bis die Leber aufgibt. Ist das wirklich erstrebenswert und gehen uns da nicht auch Dinge verloren?
Wenn ich ans letzte Jahr denke, werde ich da nachdenklich. Da hatte ich nämlich mit einigen Weinen, die im Allgemeinen als fehlerhaft bezeichnet wurden, so richtig Spaß. Fehlerfrei wären es einfach nur nette Erlebnisse gewesen.
Wir müssen da doch offener werden und in Kategorien denken, die uns vielleicht auch näher an eine umfassendere Weinbewertung heran führen.
Fangen wir mit einem einfachen und brutalen Beispiel an. Süßere Schaumweine. Klar – die sind zugelassen und sind mit sec, demi-sec und doux auch offiziell deklariert. Haben wir aber mal so einen im Glas – wer schüttelt da nicht doch den Kopf? Das hat in unserer Vorstellung zuerst einmal nichts mit Schaumwein zu tun. Er entspricht nicht der Erwartung. Mir ist es recht, weil ich die vier, die ich dieses Jahr im Glas hatte, alleine genießen konnte. Und die waren absolut spitzen mäßige Bomben und ein Hochgenuss.
Hier kann man noch nicht direkt von Fehlern sprechen, weil es ja mögliche Macharten sind. Da werden nur unsere Erwartungen nicht mit dem Gewöhnlichen bedient.
Etwas weiter geht es mit moussierenden Weinen. Auch diese sind nicht automatisch als Fehler anzusehen. Es gibt einige Gebiete, wo das genau die Machart ist. Lambrusco zum Beispiel.
Solche Weine entsprechen aber wieder nicht unseren Erwartungen, wenn sie aus Gebieten kommen, wo sie eigentlich nicht gewollt so gemacht werden. Hier könnte man also schon von einem Produktionsfehler sprechen. Allerdings warum könnte da nicht auch ein großer Wein entstehen. Eines unserer fast schon in die Geschichte eingegangenen Beispiele ist der rote QVY von Isally.
Nach der anfänglichen Hoffnung er würde das Prickeln verlieren, kann man die Hoffnung inzwischen aufgeben. Auch wenn es häufiger solche Weine gibt, ist die Tatsache des Moussierens nicht ausreichend um sie zu deklassieren. Zugegeben sind die meisten auch nach einer ernsthaften Auseinandersetzung nicht durch Relativierungen zu retten. QVY gehört da eindeutig nicht zu. Ein moussierender Syrah von breiter burgundischer Tiefe und Frische und einem anhaltenden Abgang ist ein pures Vergnügen.
Ein weiterer Weinfehler brachte dieses Jahr allerdings die größte Überraschung. Ein Schaumwein aus dem Jahr 1995. Die Farbe schon ins tiefste Bernstein hinein gehend. Klare oxidative Noten in der Nase und im Geschmack. Aber von einer Komplexität und Nuancierung, die einen sprachlos macht. Da steht einfach die Frage im Raum, ob ein „Oh – leider oxidiert“ nicht einem „Ach schade – leider nicht oxidiert“ weichen sollte.
Nun ist das bei einem fast 20 Jahre alten Schaumwein durch die Lagerung schon gut möglich und so auch nur bedingt als Fehler zu sehen. Allerdings sind mir dieses Jahr auch neuere Jahrgänge unter gekommen, die diesen Unterton schon zeigten. Und da waren auch einige Weine, die laut Aussage der Winzer anders haben werden sollen, als sie dann geworden sind. Philippe Mafre ist ja einer der Garanten für solche Weine. Sein Gayasco – ein verunglückter nachfermentierter und als Roter geplanter Wein – bleibt in ewiger Erinnerung.
Und das ist es eigentlich, was uns verloren ginge, wenn wir alle Fehler ausmerzen würden. Genau diese Weine sind es doch, die die Geschichten ergeben, die sich ins Hirn meißeln. All die anderen „normalen“ guten Weine sind getrunken und vergessen. Also keine guten Vorsätze mehr, sondern ein Hoffen auf weiter „Unglücke“ und deren Entdeckung. Meist sind die Abende, an denen man solche Weine seziert auch völlig anders in der Stimmung gegenüber Abenden an denen ein zugegebener Maßen guter Grand Cru genossen wird. Auf der einen Seite eine heiter-lustige Atmosphäre, auf der anderen ein gediegen-erhabenes Schwelgen. Beides hat seinen Reiz, aber nur bei den schrägen Vögeln kann man sagen „Lachen ist die beste Medizin“.

Kommentar schreiben

Latest Video Post